April 2014

by Nils Mohl on April 1, 2014

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1.4.

Frankfurt Flughafen, früher Abend. Einen Tag vor dem Pilotenstreik findet man nicht wenig erstaunlich leere Gänge. Fahre auf Rollbändern durch die Gegend, habe unerwartet viel Zeit vor dem Weiterflug, weil man mich einen Tag vor dem Pilotenstreik einfach mal eben auf eine frühere Maschine gesetzt hat. Was ich nicht habe: nur ansatzweise innere Ruhe.

Bis zum Mittag noch meine letzten Stunden beim Kontojob abgerissen. Perlwein und Weingummi ausgeben. Gruppenbild. Zum Schluss Mittagspause mit Kollegen machen. Die Currywurst bei Anette (“reichhaltiges Imbiss-Essen”) nur zur Hälfte runterkriegen. Noch da sein. Und schon weg. Und immer weiter. Gefühlt seit Tagen Wochen Monaten jetzt. Jahren?

Schließlich mit Blick auf Flugzeuge vor meinen Klapprechner. E-Mail-Konversation mit M. in New York.

 

1.4.

- Flughäfen. Und das unerklärliche Bedürfnis, dich dann zu kontaktieren.
- Geht’s schon los? Sehr schön, gratuliere.
- Gleich geht’s zumindest nach Vilnius. Morgen dann weiter nach Nida.
- Warum ab Frankfurt?
- Hamburg ist nicht der Nabel der Welt.
- Aber Frankfott.
- Steilvorlage. Habe zu früh auf “Senden” gedrückt.
- Warum Frankfurt?
- Keine direkten Flüge. So ist das, wenn man aus der Provinz kommt.
- Boot?
- 27 Stunden. Ab Kiel.
- Und?
- Es gibt günstige Gruppenkabinen, das ist wahr.
- Warum also nicht Boot?
- Die Kabine teilt man sich vermutlich mit Truckern und einsamen Matrosen, die auf russischen Seelenverkäufern in Klaipeda anheuern wollen.
- Das lässt du dir für deine Biographie entgehen?

 

2.4.

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3.4.

Nida, Ostsee

 

4.4.

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4.4.

Erstehe im Supermarkt eine Vase. Aufdruck: “Tomo Mano namas Nidoje – Thomas Manns Sommerhaus in Nidden”. Mit entsprechendem Motiv. Schicke M. ein Bild davon.

– Um ehrlich zu sein, gefällt mir das vergitterte Jugendherbergsbett im Hintergrund am besten.
– Dieser Raum ist komplett mit Produkten aus einem großen skandinavischen Möbelhaus bestückt. Komplett. Tisch. Schrank. Besteck. Lampen. Bettbezüge.
– Es geht nur um dein Wohl.
– Kein Wandschmuck. Ich sammle eifrig Strandgut, um die Knastatmosphäre ein wenig zu entschärfen.
– Du könntest dir ordentlich einen ansaufen. Wie ist das lokale Bier?
– Die Zeit des Biertrinkens liegt lange hinter mir. Ich sah aber große Plastikflaschen. Eigenwillige Füllmenge für unsereins, 0,75 Liter.
– Sie haben bestimmt auch einen üblen klaren Schnaps. Den haben sie immer da im Osten.
– Aus Höflichkeit trank im am ersten Abend Litauischen Vodka. Kräuterzeugs. Verursacht schon in geringen Dosen üblen Kopfschmerz.

 

5.4.

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6.4.

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6.4.

E-Mails von Hermann Kurzke. Hatte mich an der These versucht, dass Thomas Manns Personal aus Schwärmern und Enttäuschten besteht, denen es nicht gelingen will, einen ernsthaften Versuch zu unternehmen, sich anderen Menschen auf Augenhöhe zu nähern. Die gerne auch einen Solipsismus kultivieren, der mir verdächtig erscheint. Und worin ich Parallelen zu Thomas Mann selbst sehe, der es sich in seiner Einsamkeit ja auch ganz behaglich eingerichtet hatte.

Steilvorlage. “Wenn freilich die Zweifel am Schreiben und seiner Moralität übermächtig werden, nun, dann werden Sie aufhören zu schreiben. Zum Schreiben gehört eine Grundnaivität, ein Glaube an sich selbst, ein Sich-wichtig-nehmen. Schiller sagte boshaft über Bürger: Im Schreiben drücke eine Person sich aus, aber die Person müsse es auch wert sein, ausgedrückt zu werden.”

 

7.4.

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8.4.

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9.4.

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10.4.

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11.4.

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12.4.

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13.4.

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14.4.

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15.4.

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16.4.

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Fortsetzung folgt …

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