September 2014

by Nils Mohl on September 12, 2014

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8.9.
Bucheckern rasseln draußen auf das Beton der Tischtennisplatte.  Knallen auf die Deckel der Plastikmülltonnen an der Straße. Klackern in die Regenrinne über meinem Fenster. Nur ein Spiel. Noch macht der Herbst nicht Ernst.

Treffe am Abend Andy in Övelgönne. Im Paddelboot zur Strandperle. In den Wolkenbäuchen elbabwärts klafft an einer Stelle eine riesige Wunde. Durch sie hindurch fährt eine goldene Klinge aus Sonnenlicht, sticht schräg ins Wasser und verschwindet hinter der Biegung des Flusses.

(Westwärts.)

 

10.9.

Entdecke am Morgen eine Mail von L. im Postfach. Betreff: “Da!” Im Anhang das erste Foto vom druckfrischen Buch. Das Schreibtischlicht bricht sich hübsch im Silber der Discokugeln auf dem Cover. MOGEL ist in der Welt. Viel Spaß da draußen!

 

12.9.

MOGEL

 

24.9.

Sitze am Herrndorf-Artikel. Um die Hälfte gekürzt inzwischen. Immer noch lang. ZEIT und Spiegel Online haben schon vor Ende der Sperrfrist die ersten Hymnen auf “Bilder deinen großen Liebe” in die Umlaufbahn geschossen. Ähnliche Stoßrichtung, wie zu erwarten. Das Problem von Kritik in diesem Land leider: Alle plappern ein bisschen vor sich hin, fuchteln mit dem Daumen. Was man liest? Und warum? Im Grunde egal. Immerhin ist das Fragment ein Jugendroman. Etwas, von dem man sonst die Finger lässt. Nur den Hype darf man natürlich nicht verpassen. Und was kommt dabei dann raus: “Tschik ist zurück”. Nö. “Und Engel gibt es doch”. Da hätte ich gerne mal Herrndorfs Gesicht gesehen. Und auch wenn man die Logik versteht, und auch wenn man längst nicht mehr davon ausgeht, dass Literaturbesprechungen etwas mit Literatur zu tun haben, es kostet einem doch immer wieder Haare.

 

29.9.

Posch liest im Jenfeld-Haus. Und das kann er ja. Später am Klapprechner dann die ersten Besetzungsvorschläge für Indianerland. Der Indianer immerhin steht sofort fest. Ich hätte ja außerdem gerne Sönke Möhring als Zöllner – und überhaupt nichts gegen Ruby O. Fee als Jackie. Kondor ist insofern schwierig, weil man einen jungen Oktay Özdemir auftreiben muss. Die Hölle allerdings: Mauser und Edda. In Romanen haben die Figuren ja nur Gestik, aber nicht wirklich Gesichter. Schon gar nicht der Erzähler. Oder eben so viele wie es Leser gibt. Und Edda? Von einem anderen Stern.

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Fortsetzung folgt …

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