Nur halb zu sehen

by Nils Mohl on März 19, 2015

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An den Schriftsteller-Nachwuchs

Festvortrag anlässlich der Preisverleihung beim Literaturwettbewerb am Matthias-Claudius-Gymnasium, Hamburg.

 

Verbote_NM

Sobald ich einem uniformierten Polizisten begegne, passiert mit mir etwas, das sich nicht steuern lässt. Seit frühster Kindheit geht das so. Das hat übrigen auch mit elektrischen Zahnbürsten zu tun, weiß ich mittlerweile. Und vielleicht mit klappernden Baustellenzäunen. Und womöglich sogar mit dem Abendlied von Matthias Claudius.

Uniformierte Polizisten.

Elektrische Zahnbürsten.

Klappernde Baustellenzäune.

Das ist jetzt kein sonderlich brillanter Einstieg. Recht durchschaubare Taktik, oder? Wenn ich Glück habe, vertrauen Sie im Augenblick noch darauf, dass ich das schon geregelt bekomme, dass ich gleich brav alle hingeworfenen Happen halbwegs geistreich miteinander verbinde.

Polizisten.

Zahnbürsten.

Baustellenzäune.

Ein wenig alltäglich, diese Stichworte, okay. Aber die Verbindung liegt nicht unbedingt auf der Hand, so gesehen lässt sich beim Zusammenpuzzeln bestimmt der ein oder andere Witz streuen.

Die Sache mit der Taktik hätte ich natürlich nicht erwähnen dürfen. Denn nun sind womöglich schon die ersten ein wenig auf der Hut. War das da eben nicht gerade ein kleiner Regelverstoß? Man erklärt an einem solchen Abend, beim dem die Sieger eines Literaturwettbewerbs gekürt werden sollen – ja, man verrät bei einem solchen Vortrag eigentlich seine Tricks grundsätzlich nicht, schon gar nicht, wenn es derart lasche Tricks sind. Echtschuldigen Sie bitte!

(Auch entschuldigen sollte man sich bei solchen Gelegenheiten nicht unbedingt.)

 

Auf die Art könnte ich jetzt noch eine Weile fortfahren. Und es schlimmer und schlimmer machen. Ich könnte anfangen zu summen. Oder ganz leise singen. Ich kenne das Abendlied von Matthias Claudius auswendig. Die erste Strophe zumindest.

Wie wär’s?

Man kann dies Gedicht, das fast 250 Jahre auf dem Buckel hat (Achtung: sinnloser Fakt an dieser Stelle), ja nicht aufsagen, ohne dass einem sofort die Melodie dazu in den Sinn kommt. Ich könnte schließlich alle Anwesenden auffordern, mit einzustimmen in diesen idyllischen Gassenhauer.

Na, steigt der Puls ein wenig?

Ich könnte auch verraten, dass ich gleich noch über einen besonderen Bestseller sprechen werde. Und zwar über das BGB, das Bürgerliche Gesetzbuch. Inhalt: rund 2.500 staubtrockene Paragraphen. Nein, kein Witz.

Entschuldigung, Entschuldigung!

Doch lieber singen?

 

Wie auch immer: Am Ende hätten vielleicht alle hier feuchte Hände vor Scham. Sämtliche Körper wären vermutlich in innere Alarmbereitschaft versetzt. Das wiederum würde mir wirklich gefallen. Denn so ungefähr fühlt sich diese Sache mit den uniformierten Polizisten an. Beim Autofahren zum Beispiel ist es bei mir besonders schlimm.

Ich fahre eine unauffällige Familienkutsche. Natürlich hat der Wagen TÜV und den vorgeschriebenen Reifendruck vorne und hinten. Ich bin immer angeschnallt. Wenn in einer Nacht, in der die Sternlein am Himmel ganz volksliedhaft hell und klar prangen, im Rückspiegel ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht heranrauscht, werde ich trotzdem nervös. Ich habe nichts getrunken. Ich halte mich an das Tempolimit. Mir ist nichts vorzuwerfen. Das rede ich mir ein. Wortwörtlich.

Was ist da nur los?

Vielleicht leide ich an einer Berufskrankheit?

Ich bin Schriftsteller. Ich habe einige Menschenleben auf dem Gewissen. Zu meiner Verteidigung: Ich bringe keine meiner Figuren leichtfertig um die Ecke. Ich weiß, man muss sein Personal quälen, um eine gute Geschichte zu erzählen. Nichtsdestotrotz: Ich verabscheue Gewalt in jeder Hinsicht. Man kann mich gerne an einen Lügendetektor anschließen, wenn man mir nicht glaubt.

Wieso fürchte ich mich vor der Polizei?

Ich habe in meinem Leben keine schlechten Erfahrungen mit Vertretern dieser Berufsgruppe gesammelt. Im Gegenteil. In meiner Handballmannschaft gibt es Polizisten, total großartige Kerle. Ich habe nichts auf dem Kerbholz. Ich habe in meiner Jugend mal Tennisbälle in einem Sportgeschäft geklaut. Kein tolles Gefühl, obwohl ich nicht erwischt wurde. Und außerdem verjährt, nehme ich an.

Warum macht mir Blaulicht so zu schaffen?

 

Kommen wir zu elektrischen Zahnbürsten. Das hilft weiter, das verspreche ich. Ich besitze ein Modell, das mir der Zahnarzt sehr ans Herz gelegt hat. Alle dreißig Sekunden stoppt das Gerät kurz. Das hat den Effekt, dass man die Reinigung besser unter Kontrolle behält. Man wechselt innerhalb von zwei Minuten das Areal vier Mal, in dem man zu Werke geht – und hinterher hat man das gute Gefühl, seine Pflicht getan zu haben.

Zähne sind wichtig. Zähneputzen ist wichtig. Jeder, der schon einmal Zahnschmerzen hatte, weiß das. Ich möchte diese Passage aber gar nicht unnötig auswalzen: Hygiene- und Gesundheitsthemen sind meist eher deprimierend und gehören nicht wirklich hierher.

Aber der Punkt ist: Mit dem Zähneputzen geht’s los. Jeden morgen. Im Grunde geht es natürlich schon mit dem Wecker los. Das Klingeln ist der erste Befehl des Tages.

Aufstehen!

Vielleicht leistet man ein wenig Widerstand. Obwohl man in der Regel auch schon weiß, er wird wahrscheinlich schnell gebrochen werden. Und hinter dem Aufsteh-Befehl steckt natürlich ein Verbot: Nicht wieder einschlafen! Das Verbot meiner Zahnbürste lautet kurz darauf: Nicht aufhören zu putzen, bevor die zwei Minuten um sind!

Und ich? Ich gehorche.

Tag für Tag für Tag. Seit über 40 Jahren putze ich morgens und abends Zähne, obwohl die Sache wirklich nervtötend und für mich so langweilig wie Angeln vom Einer in einem leeren Hallenbad ist. Ich vermute, ich bin ganz gut im Gehorchen. Wenn ich leicht betreten an einem klapprigen Bauzaun vorbeigehe, an dem das berühmte Schild „Betreten verboten“ befiehlt, bemühe ich mich sofort, weniger betreten dreinzuschauen.

Man ahnt allmählich, worauf die Sache hinausläuft.

Es sind eine Menge Verbotsschilder in die Welt, in der wir leben, genagelt geklebt gehängt.

Wir könnten uns jetzt eine lustige Diashow vorstellen.

Rauchen verboten!

Fahrräder abstellen, heiße Asche einfüllen, Plakatieren, Baden, Schutt abladen, Handys, Betteln, Camping, Klettern – alles verboten! Parken sowieso immer. Und Hunde, die nicht an der Leine geführt werden: verboten. Waffen: richtig verboten!

Unser Alltag ist ein Parcours aus Verboten.

Nicht aus Willkür, versteht sich. Ohne Verbote und Regeln geht es nicht. Womit wir uns langsam dem eigentlichen Thema nähern. Der Literatur.

 

Die Schilder, die wir uns gerade vorgestellt haben, sind nur die schmale, sichtbare Sichel des Neumondes, gewissermaßen. Beim Sport gibt es Regeln. In Häusern gibt es Hausordnungen. Es gibt unter Freunden ungeschriebene Gesetze. Es gibt ohne Ende Vorschriften und Vereinbarungen. Es gibt damit ohne Ende Verbote.

Ein Beispiel noch?

Bei einem Vortrag wie diesem stört man als Zuhörer die Veranstaltung nicht. Man redet nicht mit dem Nachbarn. Man telefoniert nicht. Man springt auch nicht auf und legt eine spontane Break-Dance-Einlage hin – das ist ein Gesetz der Höflichkeit. Nirgends festgehalten. Auf keinem Schild. Diese Art Verbote verinnerlichen wir quasi so nebenbei.

Ist das nicht irre? In der Zeit zwischen dem Zähneputzen morgens und dem Zähneputzen abends absolvieren wir alle einen geradezu halsbrecherischen Slalom durch einen Verbotsparcour von mindestens olympischer Dimension.

Manchmal touchieren wir eine der Stangen und gehen bei Rot über die Straße oder riskieren eine echte Verrücktheit und laden uns verbotenerweise im Internet einen Song runter.

Man kann der Verführung des Verbotes nicht immer widerstehen. Schon gewusst? An einer Bank, an der ein Zettel klebt „Frisch gestrichen – nicht berühren!“, halten die meisten Menschen es kaum aus. Angeblich kann die Mehrzahl nicht anders – sie müssen die Bank anfassen.

Mir gefällt das.

Denn an die meisten der abertausend Verbote, die uns auf Schritt und Tritt begleiten, haben wir uns so gewöhnt, dass sie uns nicht mehr wirklich auffallen.

Warum eigentlich?

Warum eigentlich nicht? Ließe sich zurückfragen.     Das könnte schließlich ja auch heißen: alles paletti!

Aber ist es das? Eins steht fest: Uns sind die ganzen Regeln nicht schnuppe. Zum Glück. Wir Menschen interessieren uns sehr für unsere Gesetze. Besonders hier in Deutschland. Sie erinnern sich? Das Bürgerliche Gesetzbuch!

Wer es noch nie in den Händen gehalten hat: Das BGB ist ein unterarmdickes Taschenbuch, Seite um Seite gefüllt mit Zeilen, die fast alle aussehen wie Teile einer äußerst disziplinierten Ameisenarmee. Das Ding verkauft sich wie blöd. (Seit knapp 3.000 Tagen unter den Top 100 bei Amazon. Aktuell auf Platz 3. Nicht verfilmt bislang.)

Keine Dialoge. Keine großen Gefühle. Keine schillernden Helden. Ein großes Nachrichtenmagazin kürte deshalb das BGB vor einiger Zeit zum „lahmsten Bestseller Deutschlands“. Es stimmt, man kann das Buch nicht lesen wie einen Roman. Aber: Das BGB legt die Grundregeln unseres Zusammenlebens fest. Und das macht es für viele so interessant.

Das Zusammenleben ist voller Fallen und Stricke. Und kein Mensch kann sich sämtliche Grundregeln merken. Das wiederum ist ja schon ein wenig beunruhigend. Trotz BGB.

Aber richtig beunruhigend finde ich es erst, wenn ich an diese olympische Piste aus zig Verboten denke, durch die man Tag für Tag durchmuss. Dieses ewige „Du sollst dies“ und das ewige „Du darfst jenes nicht“ – das ist das feste Fundament jeglicher Zivilisation, einerseits, und zugleich sprudelnder Quell sämtlicher Neurosen und Ängste. Denn weitergedacht: Hinter Verboten stehen Strafen.

Eine alte Geschichte.

Strafen waren schon immer fürchterlich. Sie waren auch schon immer da. Adam, der vom Baum der Erkenntnis isst? Rauswurf aus dem Paradies. Die Menschheit, die total über die Stränge schlägt? Sintflut. Gewaltsame Exzesse in Sodom? Die Stadt wird vom Feuer- und Schwefelregen in Schutt und Asche gelegt. Lots namenlose Frau, die ihre Neugier nicht im Griff bekommt und sich zum untergehenden Sodom umblickt? Erstarrt zur Salzsäule.

So war das früher.

Strafen sind aber bis heute kein Spaß. Man kann seinen Besitz loswerden. In den Knast wandern. Man kann noch immer alles verlieren. Familie, Freunde, Arbeit, Lebensinhalt, Lebenssinn. Davon haben wir alle schon gehört. Und manchmal auch schon etwas davon gespürt. Nicht für die Klausur gebüffelt? Schlechte Note. Die Schule auf die leichte Schulter genommen? Kein anständiges Zeugnis.

Was habe ich mich davor gefürchtet, mir die Zukunft zu verbauen, falls ich in der Schule versage. Ich wusste gar nicht so genau über die Zukunft Bescheid. Aber die Angst war echt. Versagen verboten!

 

Solch ein Zeug geht mir beim Zähneputzen hin und wieder durch den Kopf, weil diese zwei Minuten am Waschbecken so furchtbar langweilig sind. Und wenn ich Glück habe, macht es plötzlich „klick“, und ich begreife, zumindest ein bisschen, warum mich Polizisten in Uniform so verunsichern.

Das liegt am Bestseller BGB. An der Fülle von Regeln und Gesetzen in meinem Leben. Selbst wenn man sich beim Gehorchen leicht tut: Man muss Gesetze erst einmal deuten können. Man muss die Konsequenzen von Verboten erst einmal lernen und verstehen.     Und alles kann sich jederzeit ändern.

Manchmal reicht schon eine Kleinigkeit – und nichts ist mehr, wie es war. Schon gibt es wieder neue Verbote. Richtig kompliziert sind natürlich die Regeln, von denen im BGB gar nicht die Rede ist.

Mal angenommen, ich lerne jemanden kennen, den ich mag. Wie weit muss dann der Abstand zwischen mir und meinem Gesprächspartner sein, wie nah darf man sich jemandem nähern, ohne aufdringlich zu wirken? Wie nah muss ich auf jemanden zugehen, um zu signalisieren: Ich wünsche mir eine Berührung?

So etwas regelt das BGB nicht. Es regelt Freundschaften nicht. Es regelt nicht die Beziehung zu meinen Eltern und Kindern. Nicht mein kompliziertes Verhältnis zu mir selbst. Diese Dinge sind wie die Sache mit dem Mond in der dritten Strophe des Abendlieds. Sie sind da, auch wenn unsere Augen sie nicht sehen. Was ziemlich tückisch sein kann: Es ist jederzeit möglich, dass etwas falsch läuft. Ich übertreibe wirklich kaum: Manchmal kann einen das alles an seine Grenzen treiben. Deshalb bin ich froh, dass es die Literatur gibt.

 

Matthias Claudius hat eine Menge Texte in seinem Leben verfasst. Aber dieser eine, sein bekanntester, der mit „Der Mond ist aufgegangen“ beginnt, ist ein Paradebeispiel für gelungene Literatur.

Lehrreich statt belehrend.

Spannend statt reißerisch.

Anrührend statt anwanzend.

Unheimlich viele Menschen kennen diesen Text. Auch nach 250 Jahren noch. Nicht nur in meiner Heimat Wandsbek, wo das Gedicht (die Gelehrten streiten sich) sehr wahrscheinlich zu Papier gebracht wurde, sondern im ganzen BGB-gesteuerten Land und darüber hinaus.

Ein Vierteljahrtausend – so lange bleiben Texte selten populär. Und noch Bemerkenswertes zum Abendlied: Es gehört zu einer besonderen literarischen Gattung. Am Ende steht eine Bitte. Die Bitte um Erlösung. Das liest sich zunächst wie ein Gebet, was sicher kein Unfall ist; aber weil man den Text auch metaphorisch lesen kann, kam er mir nie frömmig vor.

Es ist ein Text, der erzählerisch glückt, obwohl nicht viel passiert. Eine simple Geschichte von einer Mondnacht, in der sich jemand den ganz großen Dingen zuwendet.

Gott, Endlichkeit, Demut, Nächstenliebe.

Es ließe sich noch ganz viel zu diesem großartigen Stück Literatur sagen, das so zeitlos aktuell wirkt. Herr Claudius wusste natürlich nichts von den Nachrichten, die uns Tag für Tag erreichen.

Terroranschläge.

Hurrikans.

Atomkraftwerkszwischenfälle.

Aber schon zu seiner Zeit wusste er: Es ist schwer, auf diesem Planeten gut zu schlafen. Und er wusste genau, dass Literatur da ein wenig helfen kann.

Das Abendlied spricht zu mir. Es verrät etwas darüber, was es bedeutet, am Leben zu sein. Wie alle Literatur, die diesen Namen verdient, ist die Erzählung zugleich Anleitung. Es wird hier verhandelt, nach welchen Gesetzen man leben möchte. Kindliche Zufriedenheit wünscht sich hier jemand. Naive Zuversicht. Das muss man nicht gleich unterschreiben.

Aber es ist ein Vorschlag, auf den man reagieren kann. Als Leser. Ein Angebot.

 

Literatur ist immer ein Angebot. Und das gefällt mir. Ich bin mir sicher, es ist gut, dass nicht nur den Bestseller BGB gibt.     Wir brauchen Geschichten, die davon erzählen, was sonst nur halb zu sehen ist. Die uns Anleitungen sind. Dafür brauchen wir Erzähler, die sich etwas erlauben. Augenzeugen einer Wirklichkeit, die es zuvor nicht gegeben hat. Oder die wir so nicht wahrgenommen haben. Wie die dunkle Seite des Mondes. Trage ich zu dick auf?

Inmitten des ohrenbetäubenden Getöses der Welt, kann Literatur den Raum schaffen, in dem das verhandelt wird, für das es noch keine gültigen Gesetze und Verbote gibt. Und im Schaffen dieser Welt in der Welt eröffnet sich uns ein Blick in einen Seelenspiegel.

Ich trage wirklich dick auf.

Und es tut gut, sich das zu erlauben.

Ich gestehe gerne: Ich habe eine große Schwäche für Geschichten, die sich mehr erlauben, als uns normalerweise zugestanden wird. Ich mag Helden, die mehr drauf haben als ich. Ich flüchte gerne aus der Realität.

Das tröstet manchmal. Das unterhält manchmal. Und das wiederum passiert nicht zufällig. Ich weiß, dass diejenigen, die Geschichten aufschreiben, Menschen sind, die wissen, was es bedeutet, immer wieder unsicher, ängstlich, verletzlich und haltlos zu sein.

Sie suchen.

Sie nehmen uns mit. Auf dass wir ein Anderswo, ein Aderswann, ein Anderswer finden. Denn selbst wenn eine Geschichte der Welt ähnelt, die wir kennen, ist es immer eine Anderswelt. Hier gelten eigene Regeln. Und in die darf sich ein Erzähler nie reinreden lassen. Nie!

Erzähler müssen sich die Erlaubnis erteilen, für ihre Geschichten sämtliche Verbote zur Not auszuhebeln.

Das Risiko: Keiner folgt.

Die Chance: Die Welt ändert sich, wird größer, besser.

Das Erzählen hilft uns, Frieden mit unseren Schwächen und Macken und Beschränktheiten zu schließen.

Zahnbürste aus.

Über klappernde Bauzähne klettern.

Der Polizei entkommen.

In Geschichten ein Klacks. Und vorübergehend eine echte Erlösung. Ich meine das genau so. Wir brauchen Geschichten. Wir brauchen Menschen, die Luftgespinste spinnen. Menschen, die glauben, dass das nicht egal ist. Menschen, die uns von den Dingen berichten, die unsere Augen sonst nicht sehen.

Damit wir mehr voneinander erfahren.

Damit wir unsinnige Regeln überwinden.

Damit wir uns über neue Regeln verständigen.

Damit das Zusammenleben besser gelingt.

Damit wir Zwischen dem ganzen Zahnputzarien etwas erleben, das es wirklich wert ist, erlebt zu werden. Damit wir dafür zwischen all den Verboten mehr Spielraum haben.

Deshalb bin ich heute gerne hier und gespannt und freue mich riesig auf das, was heute Abend noch kommt …

 

Wandsbek, 19. März 2015

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