August 2012

by Nils Mohl on September 1, 2012

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1.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 510.

(Jenfeld)

 

2.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 511.

(Jenfeld)

 

3.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 512.

(Jenfeld)

 

4.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 513.

(Jenfeld)

 

5.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 514.

(Jenfeld)

 

6.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 515.

(Jenfeld)

 

7.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 516.

(Jenfeld)

 

8.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 517.

(Jenfeld)

 

9.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 518.

(Jenfeld)

 

10.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 519.

(Jenfeld)

 

11.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 520.

(Jenfeld)

 

12.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 521.

(Jenfeld)

 

13.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 522.

(Jenfeld)

 

14.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 523.

(Jenfeld)

 

15.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 524.

(Jenfeld)

 

16.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 525.

(Jenfeld)

 

16.8.

 

17.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 526.

(Jenfeld)

 

18.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 527.

(Jenfeld)

 

19.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 528.

(Jenfeld)

 

20.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 529.

(Jenfeld)

 

21.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 530.

(Jenfeld)

 

22.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 531.

(Jenfeld)

 

23.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 532.

(Jenfeld)

 

24.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 533.

(Jenfeld)

 

25.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 534.

(Jenfeld)

 

26.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 535.

(Amrum)

27.8.

 

28.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 536.

(Jenfeld)

 

29.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 537.

(Jenfeld)

 

30.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 538.

(Jenfeld)

 

31.8.

Stadtrandritter, Arbeitstag 539. Sitze mittags bei heruntergelassenem Rollladen im Büro. Das einzige Licht kommt aus dem Klapprechner. A. steckt die Nase ins Zimmer:

– Was wird das? Entwickelst du hier Bilder?
– In gewisser Weise.
– Tolle Dunkelkammer, wirklich.
– Ich arbeite.
– Schon klar. Alles in Ordnung?
– So lala. Mir ist nach 417 Seiten jetzt endgültig klar, dass wird wieder nichts.
– Hm.
– Hey, aber nicht verraten!

Gedämpft von draußen das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos. Das Fump-fump an den Fugen zwischen den alten Betonplatten, als die Reifen darüberhinwegrollen. A. und ich tauschen Blicke. Untertitel: Ohne Worte. Hinter der Stirn ein gemischter Salat aus diffusen Bildern und sehr klaren Erinnerungen.*,**,***,****

(Und A. schließt dann sanft wieder die Tür, sehr sanft.)

 

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* Zurückgespult I (Kladde). Im letzten August ist die Entscheidung wegen des (vermutlich) endgültigen Covers von Stadtrandritter gefallen. Auf den Tag genau gestern vor einem Jahr. Nachdem der famose Erstentwurf im Indianerland-Stil, den wieder Junior für mich angefertigt hatte, zuvor sehr plötzlich und sehr überraschend vom Tisch gefegt worden war und der Verlag einen völlig hanebüchenen eigenen aus dem Hut zauberte und unbedingt durchdrücken wollte – was mich alles in tiefe Verzweiflung stürzte. Kollege Sch., den ich damals erst ein paar Wochen kannte, hatte sich dann auf meine Bitte hin sofort an den Rechner geklemmt und sieben Gegenvorschläge zusammengebastelt. Es galt das Schlimmste zu verhindern. Hektisches Hin und Her per E-Mail und Telefon zwischen Reinbek und Jenfeld. Onlineabstimmung via Facebook und Lovelybooks als letzter Rettungsversuch am Ende. Meine Lektorin, die das alles als Prellbock zwischen den Fronten  tapfer erduldet und mitgemacht hat. Das wirklich Drollige an diesem ganzen Aktionismus: Damals war bereits abzusehen, dass der Abgabetermin Ende September nicht mehr zu halten sein würde. Niemand brauchte das Cover wirklich dringend. Die erste Fassung funktionierte nicht. Eine zentrale Figur flog deshalb wenig später aus der Geschichte raus, und es ging alles noch einmal von vorne los. Jetzt, ein Jahr später, funktioniert auch die zweite Fassung nicht und alles wiederholt sich – bis auf die Aufregung um das Cover, das noch immer niemand wirklich braucht. Denn auch in diesem September wird wieder nur ein Romantrum vorliegen und noch eine weitere Figur dran glauben müssen. Es ist so: Ich werde um eine dritte Runde nicht drumrumkommen. Soweit das vorhersehbare Ergebnis der vergangenen 31 Tagen, die fast vollständig der Arbeit gewidmet waren.

(Ohne viel Ablenkung.)

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** Zurückgespult II (Kladde). Zum Abschalten habe ich abends mit A. Anfang des Monats meist Folgen der vierten Staffel von Californication geguckt und, als wir damit durch waren, sogar einmal länger über Hank Moody, den Schriftstellersuperhelden, und diese Serie, die zu 90 % kaum mehr als trashige, aber temporeiche,  gut verpackte Zerstreuung bietet, nachdenken müssen. In den wirklich guten Momenten, in den Momenten, in denen es nicht bloß um ein Feuerwerk an Unterleibszoten oder die Feier von Hollywoodklischees geht, wird das Ganze wirklich zu gehobener Unterhaltung, zu einer nicht uncleveren, inversen Peter-Pan-Geschichte quasi, die sich dem Dilemma widmet, in einer infantilen Gesellschaft ständig am Erwachsenwerden  scheitern zu müssen, weil keiner mehr so richtig weiß, wie das überhaupt geht, mit dem Erwachsenwerden. Die Dialoge zwischen Hank und seiner Tochter sind für gewöhnlich dann auch die besten. Lustig und traurig zugleich.

(Aus der Rubrik: spektakuläre Freizeitprogramme, tiefschürfende Erkenntnisse.)

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*** Zurückgespult III (Kladde). Wenn ich nicht mit meinen Romanfiguren beschäftigt war, war ich sehr darum bemüht, den Kopf über Wasser zu halten im August. Ganzheitlich. Rund 150 Emails habe ich geschrieben und das E-Mail-Eingangsfach auf 7 Benachrichtigungen, auf die noch reagiert werden muss, runtergearbeitet. Mindestens einmal die Woche bin ich schwimmen gewesen im Freibad Ostende, sehr allein im Wasser in der Regel. Außerdem zwei Mal in der Halle beim Kicken aufgekreuzt und habe einmal die Woche eine Laufeinheit absolviert, bis die Achillessehne gereizt war.

(Verletzungsanfälligkeiten.)

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**** Zurückgespult IV (Kladde). Aus den Notizen zu diesem Blog:

– Für das Internationale Literaturfestival Berlin im Vorfeld doch noch die Frage beantwortet, welche Kinder- und Jugendliteratur Europa braucht – und dafür die Deadline um einen Tag  überschritten.  (Kurz vor der Abgabe bin ich M. via Skype ein letztes Mal gehörig auf den Senkel gegangen.
 Habe ihm im Rest des Monats dann aber mit nichts mehr genervt.
 C. ist das zweite Mal Vater geworden. Auch ihn habe ich mit nichts behelligt.) (2.8.)

– Karten für das Spektakel rund um die Vergabe des Jugendliteraturpreises im Oktober bestellt. Sechs Stück. Für A. und mich. Meine Eltern. Sowie Webmaster O. nebst Gattin. (2.8.)

– Was mir nicht fehlt: Der Kontojob. Wovor ich mich schon jetzt fürchte: Ende September wieder anfangen zu müssen. Bringe (womöglich auch deshalb) meine Bewerbungsunterlagen auf Vordermann und schreibe exakt ein Dutzend Direktoren von Berufsschulen an. Sechs Absagen auf mein Angebot, mich als Lehrer einzustellen zu dürfen – auf Wunsch auch sofort –, kommen gleich innerhalb der ersten 48 Stunden zurück.
 Alle sehr knapp gehalten. Und klar. „Für den weiteren beruflichen Lebensweg alles Gute.“ (6.8.)

– Beim zukünftigen Bürgermeister der Stadt zum politischen Abend. Gast: der gegenwärtige Bürgermeister der Stadt. In der abschließenden Fragerunde bringe ich als guter Jenfelder natürlich auch das Thema der Ex-Sicherheitsverwahrten im Elfsaal aufs Tapet. Die Sache geht leider in einer Diskussion um den Ausbau von S-Bahn-Strecken unter. (8.8.)

– Für die Dokumentation des White Ravens Festivals einen Rückblick verfasst und abgeschickt. (10.8.)

– Dr. I. sehr zufrieden mit dem Rückblick („… avanciert“). Die Direktorin der Internationalen Jugendblibliothek ebenso (… erfrischend … unabgenudelt“). (12.8.)

– Nachdem rund 60 Seiten mit Resten von Szenen aus dem Roman Stück für Stück woanders hinkopiert oder gelöscht sind, habe ich eins der vier Dokumente, mit denen ich seit Monaten arbeite, für immer schließen können. (14.8.)

– Baue mit Nachbar B. unser Pavillonzelt in seinem Garten auf. (15.8.)

– Bin beim Verlassen des Schreibtisches oft eine ganze Weile so tief in Gedanken, dass ich mir selbst beim Reden kaum zuhöre. Was nicht immer gut geht. A. nennt mich im Laufe des Morgens einmal „herzlos“. (16.8.)

– Besuche die Geburtstagsfeier von Nachbar B. Bewältige den Abend (klasse Grillgut) unter lauter Kollegen, ohne einen Schluck Alkohol zu trinken. (17.8.)

– Diverse fortschrittsarme Vormittage am Rechner hintereinander. Einmal, als gar nichts läuft und bei der Zubereitung des Essens deshalb der Satz fällt: „Mir geht der Arsch auf Grundeis“, kann ich mir A. gegenüber die larmoyante Leier von jeder investierten freien Minute, die abgezwackt, und jedem verfügbarem Cent, der reingebuttert wurde in dieses Romanprojekt, nicht verkneifen. Schwer zu ertragene Laune. Kein sehr angenehmer Gesprächspartner. (20.8.)

– Friseurtermin bei Jeff verbaselt, obwohl A. mich noch am Vortag daran erinnert hat. (21.8.)

– Mittwochabend. Fahrt ins Kulturhaus Eppendorf, um  mich mal wieder beim Forum Hamburger Autoren zu zeigen. Eine Premiere in diesem Jahr, wenn ich das richtig sehe. „Hallo, ich heiße Nils.“ Die Begrüßung, die ich mir unterwegs zurechtlege und mir final dann doch schenke. Andys großherziges Angebot, sich die Ritter anzugucken – was ich aber ablehne, um diesen Trumpf für später noch im Ärmel zu haben. (22.8.)

– Erfahre, wie die fünf Teilnehmer der Meisterklasse, die ich nächsten Monat in Berlin leite, heißen. Jule Sonnentag. Clara Ehrenwert. Lena Stange. Stefan Hochgesand. Khesrau Behroz. Bin gespannt, was ich von ihnen lernen werde. In meiner ersten Mail an alle stelle ich die These auf, Schreiben sei im Grunde bloß intensives Lesen. Und der Rest war auch nur so mäßig meisterlich. (23.8.)

– Treffen zu einem Interview mit einer ehemaligen Redakteurin von „Klatsch- und Tratschblättern, Schwerpunkt Promis“ (Eigenwerbung), das zunächst einmal verschoben wurde und nun bei mir, in meinem Arbeitszimmer stattfindet. Kein erkennbares Interesse an dem, was oder worüber ich schreibe – was ich auch mir ankreide. Meine Unfähigkeit zudem angemessen auf Fragen zu reagieren wie: „Gibt es etwas, dass du wirklich bereust?“ Oder: „Schreiben als eine Art Therapie?“ Oder: „Glaubst du an Wiedergeburt?“ (23.8.)

– Entnehme der Presse, dass die ehemals Sicherheitsverwahrten, wie vom Senat versprochen, im November aus Jenfeld wegziehen werden. „Gefährliche Sicherungsverwahrte aus Jenfeld kommen nach Moorburg“ – Harburg aktuell. „Weg aus Jenfeld – Ex-Sextäter sollen nach Moorburg ziehen“ – Hamburger Morgenpost. Anschließend für Sekunden ernsthaft der Gedanke, der gegenwärtige Bürgermeister dieser Stadt hätte damit verspätet doch noch auf meine Frage beim politischen Abend reagiert. (25.8.)

– Noch einmal für ein Wochenende auf Amrum. Im Fischerhemd über den Kniep gelaufen und bei moderatem Wellengang in der Nordsee gewesen. Auf der Rückfahrt nach Jenfeld eine irre Formation spuckeweißer Wolkenkronen über dem Deich von Dagebüll fotografiert. (27.8.)

– Den finalen Blogeintrag für Juli online gestellt. Die prokeligen Überarbeitungen daran, in der Vorwoche begonnen, gestalteten sich am Schluss maximal aufwendig. Viel White-Ravens-Festival-Zeug muss raus. Dr. I scheint immerhin auch mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. „Ich bin be- und gerührt! Ganz in echt.“ (28.8.)

– Die neue CD von Bill Fay kommt mit der Post – „Life Is People“. (29.8.)

– Die DFW-Biographie von D.T. Max kommt mit der Post – „Every Love Story Is A Ghost Story“. (30.8.)

Nachricht via Facebook, dass wohl die Optionierung von Indianerland für eine filmische Adaption in der Tat weiter Gestalt anzunehmen beginnt. Ein Produzent ist offensichtlich gefunden und hat bereits bei Rowohlt angeklopft. A. U. schreibt: „…  können wir mal telefonieren, um ggf. was auszumachen und dann erläutere ich ihnen, was so unsere Idee wäre?“ M. dazu: „Das klingt spannend.“ Ich: „Eher vage und halbseiden.“ M.: „Du bist jetzt beim Film, die sind anders.“ (31.8.)

(Notizen, die Notizen bleiben. Arbeit sticht Vergnügen.)

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Fortsetzung folgt …

(Reguläre Lieferung monatlich.)

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