Beruf Schriftsteller II

by Nils Mohl on September 1, 2004

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Neid ist mir nicht fremd

Nils Mohl über Ruhm, Ehre und Geld

September 2004. Im Rahmen einer Untersuchung, deren Ziel es ist, eine Bestandsaufnahme der Hamburger Literaturpreise vorzunehmen, stellte Inga Jeglin Fragen zum Förderpreis für Literatur der Stadt Hamburg, den der Autor 2002 erhalten hat. Das Interview wurde per E-Mail geführt.

 

Welche Auswirkung hatte der Preis auf die (Schreib-) Motivation? Sowohl im Vorfeld, was die Produktion der Texte für den Wettbewerb anging, als auch im Nachhinein, wenn man dann Preisträger ist?

Einem echten Künstler sind Preise natürlich völlig egal. Behaupten echte Künstler gern, und das ist flüssig gelogen – behaupte ich jedenfalls. Ziemlich sicher kann ich außerdem behaupten: Ich hätte die Texte, für die ich den Preis bekommen habe, vermutlich auch dann geschrieben, wenn die Stadt Hamburg keine Preise verliehen hätte. Aber wenn man einen Preis gewinnt, ist das natürlich eine Streicheleinheit fürs Ego.

 

Verändert sich die Selbstwahrnehmung?

Okay, der Hamburger Förderpreis ist ja nun nicht gerade der Büchnerpreis. Aber Künstler sind selbstverständlich eitel. Und für mein Selbstverständnis als Schriftsteller sind Preise schon unheimlich wichtig. Das mag an meiner Herkunft liegen. Ich komme aus der unteren Mittelschicht, da spielen „die Anderen“ und Titel und solche Dinge (obwohl stets das Gegenteil behauptet wird) eine unheimlich große Rolle. Das hat mit Sozialneid zu tun. Und Neid ist mir leider auch heute noch nicht fremd, was mich nicht sehr sympathisch macht, aber wohl die Wahrheit ist.

 

Welche Rolle spielt der materielle Aspekt des Gewinnes?

Der Hamburger Förderpreis gehört mit den 6000 Euro Preisgeld definitiv zu den besser dotierten Preisen für den literarischen Nachwuchs in dieser Republik. Aber was sind 6000 Euro? Das Einstiegsgehalt eines mittelmäßigen Juristen, der frisch von der Uni kommt. Wohlgemerkt: Das kriegt dieser Jurist im Monat. Wegen des Förderpreises kann jedenfalls niemand seinen Job kündigen und sagen: So, jetzt mache ich mal ein Jahr Pause und konzentriere mich ganz aufs Schreiben. Nichtsdestotrotz: Ich fand es grandios, das Geld für drei Kurzgeschichten zu bekommen.

 

Hatte der Preis Folgewirkungen wie Möglichkeiten zu Auftritten, Kontakt zu Verlagen, Rezensionen und Berichte in der Presse?

Ich durfte im Literaturhaus lesen. Ich durfte der Kultursenatorin die Hand schütteln. Und sie mir. Was unser beider Leben aber nicht verändert hat, würde ich meinen. Die Texte der Preisträger werden in der Ziegel-Anthologie gedruckt. Das ist schön. In der Presse spielt der Preis so gut wie keine Rolle. Das finde ich schade.

 

Gibt es ein „Ranking“ unter Preisträgern? Neid?

Wie erwähnt: Neid ist mir nicht fremd, und natürlich hätte der Preis (noch) mehr Bedeutung, wenn er an weniger als sechs Autoren pro Jahr verliehen würde, aber geneidet habe ich meinen Mitpreisträgern den Preis tatsächlich nicht. Neidisch war ich höchstens in den Jahren, als ich leer ausgegangen bin. Und wie. Es ist ja so: Wenn ich übergangen werde, dann handelt es sich um Schiebung – wenn ich gewinne, geht alles mit rechten Dingen zu.

 

Was war für Sie am Wichtigsten als Förderpreisträger: Motivation, Anerkennung, Geld?

Meine persönliche Reihenfolge lautet: Anerkennung, Geld, Motivation. Wobei Motivation wirklich nebensächlich ist. Die hat man eh. Man schreibt doch, um reich und berühmt zu werden. Mehr noch berühmt als reich, würde ich sagen.

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