Januar 2012

by Nils Mohl on Februar 1, 2012

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10.1.

Stadtrandritter. Arbeitstag 394. Der erste war der 19. November 2010. Der letzte lässt weiter auf sich warten. Und das nach mittlerweile fast 400 Tagen reiner Schreibzeit am Roman. Plus 28 Tage Planung vorweg. Plus fünf Monate Ideensammlung.

400 + x.

So war das nicht gedacht. Ursprünglicher Abgabetermin: September. Angekündigter Erscheinungsmonat: Februar. Aber diese Geschichte, die ich im Kern seit über 20 Jahren mit mir herumschleppe (und lange, wirklich lange schon schreiben wollte), hat sich als Romanstoff zum echten Widerborst entwickelt.

Ende Sommer flog mir die Sache einmal richtig um die Ohren. Es ging nichts mehr: Einfach so – rumms – brach plötzlich die ganze Architektur in sich zusammen, alles schien unausgegoren, kompletter Müll. Ungefähr nach der Hälfte der Strecke. Bei Manuskriptseite 300.

(Aber wer hatte es schon auf einen Spaziergang angelegt? Eben.)

 

11.1.

Drüber nachgedacht, dass wegen des lausigen Winters, im kommenden Sommer wieder einen Insektenplage auf uns zukommt, wie vor ein paar Jahren schon mal. Sah mich zerstochen und von schwirrenden Wolken verfolgt das Freie meiden. Wo ich doch endlich mal Zeit haben werde, wenn das Schreiben vorbei ist. Wegen solcher blödsinniger Gedanken bestimmt eine halbe Stunde am Text verplempert.

(Und schwupps: Arbeitstag 395 auch rum.)

 

11.1.

Der Held und sein Wetter. Meine, jemand hat da mal eine Doktorarbeit drüber geschrieben. Delius? Egal. Romane und ihre Jahreszeit? In der Trilogie ist es ja so:

Liebe – Sommer. (Indianerland)

Glaube – Herbst. (Stadtrandritter)

Hoffnung – Frühling. (Astronauten)

Eine Trilogie auf Jahreszeiten zu verteilen, ist (das lässt sich an einer Hand abzählen) ein kniffeliges Unternehmen, womöglich gar eine Doktorarbeit für sich. Andererseits: Winter im engeren Sinne gibt es für den Hamburger ja nicht. Alles ein Brei von September bis April. Dunkelheit und Regen. Regen und Dunkelheit.

(Manchmal auch einfach nur: Dunkelheit.)

 

11.1.

Aus den Proben zum epochemachenden Interview: „Stadtrandritter ist ja auch eine Hommage an die atlantischen Tiefausläufer, unter denen man hier über Monate zu vegetieren hat. Immer am Rande der Depression. Nichts für sonnige Gemüter.“

 

12.1.

A. sagt: „Knapp 400 Tage, ist doch nicht viel bei einem Roman.“ „Bin aber auch nicht fertig“, sage ich. Und erinnere mich daran, dass ich A. vor mehr als einem Jahrzehnt mal eröffnet habe, dass ich demnächst meinen ersten Roman angehen werde. Damals hat A. noch die Augenbrauen in die Höhe schnellen lassen, als ich sagte, dass kann schon so zwei, drei Jahre dauern, schlimmstenfalls auch bis zu fünf. Am Ende waren es immerhin gut vier. Und noch einmal vier bis zur Veröffentlichung. Trotzdem bin ich ungeduldig. Bei Indianerland waren es dann gerade mal neun Monate Arbeit. Und alles war gut.

(Ritter sind einfach ein anderes Kaliber.)

 

12.1.

Gedanke, den bestimmt jeder Autor schon mal gehabt hat: Ich brauche eine Crew. Wie beim Film. Einen Ausstatter, der mich mit Vokabeln für Einrichtungsdetails, Gebäudespezifika und Grünzeugs und so weiter versorgt. „Maske mal eben: Wie beschreibt man so eine Fratze, wenn sich jemand in den Schritt greift?“ – „Ah, nehme ich. Danke!“ Beleuchter würden mich auch brutal interessieren. Und natürlich Drehbuchassitenten, die einem den ganzen Plot-Quatsch vom Hals halten. SpecialEffects: „He, ruft die Jungs von Industrielicht & Magie an, ich brauche ein paar Granatenmetaphern Anfang Kapitel drei, großen Verfolgungsszene, ihr wisst schon.“ Kostümbildner eher egal, oder? Aber, wo schon einer da ist: „Du, guckst du mal eben, ich brauche für Figur Y mal eine Oberbekleidung, frech, aber nicht zu sexy. Nein, nicht so eine Lutschlollifarbe. Jesus!“

Im Grunde will ich nur kontrollieren müssen, dass alles passt, dass das große Ganze funktioniert. Schnitt erledige ich sowieso gerne selbst. Kein Problem. Produktionszeit dann: drei Monate.

(Verlag zahlt das Catering.)

 

12.1.

Teile meiner Lektorin per Mail mal prophylaktisch mit, dass der Roman nur stockend vorankommt seit November, ein zäher Bock eben. Antwort kommt prompt: Erledigen Sie den Bock. Heißt auch: keine Zugeständnisse an den Abgabetermin. Die Latte bleibt auf Ende März liegen. Fange an, über Strategien nachzudenken, wie ich meiner Kontojobchefin beibringe, ab Februar ein wenig zurückzufahren. Von 32 Stunden vorübergehend runter auf 24? Würde vermutlich für große Erheiterung sorgen. Ein Monat unbezahlter Urlaub? Schallendes Gelächter.

(Muss festhalten, meine Lektorin: toll! Weiß genau, was ich hören will.)

 

12.1.

Aventiure V, Ende: Version ich weiß nicht mehr. Die vielleicht schwierigste Szene bislang. Silvester muss sich sträuben, die Rachephantasien auszuleben. Und am Ende doch einknicken. Falls das nicht hinhaut, kann ich einpacken. Aber dafür kaue ich schon zu lange auf der Sache rum. Also hat er einzuknicken. Kondor, klär das!

Oder ich kann umplotten.

 

13.1.

Es gibt keinen triftigen Grund für Romane mit mehr als 350 Seiten, behaupte ich seit Jahren. 600 Seiten? Hätte mir keiner erzählen können, dass man da nicht 200 weggekürzt bekommt, mehr oder weniger mühelos. Jetzt marschieren die Ritter stramm auf die 500-Seiten-Marke zu. „Und der triftige Grund dafür, Herr Mohl?“ Vermutlich der Verlust an gesunder Distanz, zu dem, was man treibt. „Im ersten Angang wären es locker 800 gewesen. Ich habe schon brutal gekürzt.“ Hust, hust.

Aber stimmt ja: Bozorg ist raus. Das Feuer am Anfang: raus. Viele fantastische Details, die nichts mit der Geschichte zu tun haben: raus. Was niemanden schmerzt. Nicht mal mich. Schade nur um die Zeit, die bei dem Umweg draufgegangen ist.

 

13.1.

In Jenfeld heute Demonstration wegen der Unterbringung von Schwerverbrechern, die aus der Sicherheitsverwahrung entlassen werden müssen. Die Initiative „Wohnen auf eigene Gefahr“ wird sicher keine „Viel Spaß da draußen“-Schilder basteln. Peinlich das Ganze. Davon abgesehen: Wie wäre es denn mal mit der Nachricht: „Jenfeld bekommt milliardenschweres Konzerthaus. Montag erster Spatenstich.“ Bruhahaha!

 

14.1.

Aventiure V. Erledigt, Haken dran. Und Kreuz schlagen: Allein für die letzten vier Seiten mehr als 30 unterschiedliche Fassungen produziert. Und jetzt alle bis auf die allerletzte gelöscht. Besser wird es gerade nicht.

 

14.1.

E-Mail-Konversation mit M. im Laufe der letzten Tage, angezettelt von M.:

– Der Optiker sagt, ich bin in meinen Vierzigern. Das finde ich eine gottverdammte Anmaßung und Unhöflichkeit.

– Der hat halt einen ungetrübten Blick für die Dinge.

– Er ist in seinen Fünfzigern und sagt so etwas damit gern.

– Man wird weitsichtiger mit dem Alter, nicht nachsichtiger.

– Ich glaube, ich werde ganz einfach dumm.

– Ja, das ist aber im Zusammenhang mit Optikern jetzt keine schöne Einlassung.

– Nenne mir mal eine schöne Einlassung im Zusammenhang mit Optikern.

– So blind, meinst du?

– Einfach so.

– Optiker spielen in meiner Welt keine Rolle, dabei bin ich auch in meinen Vierzigern, strenggenommen, in meinen sehr frühen Vierzigern.

– Du bist Jugendbuchautor.

– Das finde ich eine gottverdammte Anmaßung und Unhöflichkeit.

 

14.1.

Aus dem Jenfelder Manifest für das ästhetische Programm: Erzähl die Geschichte!

 

15.1.

Aus dem Jenfelder Manifest für das ästhetische Programm: Erzähl die gottverfluchte Geschichte!

 

15.1.

Stand heute: Es bleiben noch vier große Kapitel und das alternative Ende. Machbar bis Ende März? Ja? Nein? So rein theoretisch? Okay, Kapitel eins bis vier der neuen Version habe ich in zwei Monaten geschafft. Aber da war einfach auch jede Menge Material von der Vorversion vorhanden, brauchbares Material. Jetzt sieht das so aus:

Aventiure VI – ein Trum

Aventiure VII  – zu ca. 3/4 okay

Aventiure VIII – nada, im Grunde

Aventiure IX – ein bisschen mehr als nada, aber nicht viel.

Ende März ist sportlich. Wecker von zwanzig vor fünf auf vier stellen?

 

16.1.

An Aventiure VI gesessen – und nichts geht. Nullkommanull. Idee ist, alles immer mehr in alptraumhafte Szenarien abdriften zu lassen. Silvester (wie dem Leser) soll sich die Frage aufdrängen: Was glaube ich davon noch? Ist das wahr? Kann das wahr sein? Und auf einer Ebene drüber oder drunter: Bedeutet das Erwachsenwerden, den Wahnsinn akzeptieren zu lernen – zu schlucken schlucken schlucken? Damit das überhaupt funktioniert, müsste die Figur allerdings in nachvollziehbare Schwierigkeiten geraten. Schwierigkeiten ergeben sich zB, wenn man falsche Entscheidungen trifft. Aber auch falsche Entscheidungen müssen halbwegs anständig motiviert werden. Denn Figuren, die sich einfach nur dumm verhalten, sind nicht die, denen man gerne die Daumen drückt. Fünf Szenarien entworfen. Keins taugt wirklich etwas. Ja, Panik!

 

16.1.

Schicke M. und C. ein halbes Dutzend Skizzen für den Ablauf von AV 7. Komme mir vor wie ein Irrer, der Pflegern einen Zettel mit Krakeleien zeigt und sagt: „Gucken Sie mal, ist meine Frau Mutter nicht eine wunderschöne Frau.“ Aber M. und C. kennen das schon. M. verdanke ich Kasse 53. Ohne M. hätte ich diesen Roman nicht zu Ende geschrieben, hätte ihn ganz sicher nie so hinbekommen, in dieser Strenge.

Erinnere mich gut an die Tage in Aachen, als wir uns bei M.s Bruder im Haus eingeschlossen haben. Wir saßen vor einem Stapel Papier. Wir haben Seiten auseinandergeschnitten und am Boden neu sortiert. Zwischendurch Konsolenspiele. Und Trinkgelage im Kreta. Am Ende wusste ich, was zu tun war. Und M. hat danach (wie auch davor) jeden Arbeitsschritt per E-Mail bekommen und kommentiert und verbessert. Ohne M. hätte ich meinen Beruf an den Nagel hängen können. Noch heute schreibe ich nichts hin, was M. mir vermutlich rauskürzen würde.

Jetzt ist M. in seinen mittleren Jahren, pendelt seit ein paar Jahren zwischen New York und San Francisco und ist ein deutlich abgeklärterer Mentor geworden. Ich glaube, er hält Indianerland und Stadtrandritter auch einfach für Schrott. Okayen Schrott. Aber Schrott.

 

16.1.

Antwort von M.: „Ich wäre gerne hilfreich, weiß aber beim besten Willen nicht, wie ich das beurteilen soll.“

 

16.1.

C. ruft an, findet Version 1, die harmloseste, noch am besten: Ich widerspreche sofort. C. widerspricht dem Widerspruch. Dabei kommt aber raus, was auf keinen Fall geht: einen Hund erledigen. Jedenfalls darf Kondor das nicht. Das sehe ich ein. Und dann sagt C. das Entscheidende: „Kondor ist Halbzigeuner.“ In Gedanken klatsche ich mir die Hand gegen die Stirn. Der Rest ergibt sich plötzlich sehr schnell. Kondor überlässt Brand III und Silvester die Bühne. Nach Kondor-Art. Das große Finale läuft dann doch mal wieder ohne ihn.

 

16.1.

E-Mail Konversation mit M.:

– Und ich bekomme jetzt Gleitsichtgläser.

– Du bis in deinen Vierzigern.

– Die Begründung kann auch nicht immer für alles herhalten.

 

17.1.

M. schlägt noch vor: „Du könntest eine Metastelle reinschreiben, in der du alle diese Möglichkeiten abhandelst (was u. a. den Vorteil hat, dass du oft ‚die Zwerge‘ schreiben kannst, was mir sehr gefiele), und danach machst du einfach da in der Handlung weiter, wo es dir passt und scherst dich nicht darum, was genau dazwischen geschehen ist.“ Ich antworte: „Meine Idee war: Einfach Seiten leer lassen mit dem Vermerk ‚Medium defekt, Schreibfehler, Lesen derzeit nicht möglich.'“

 

17.1.

Ich plotte um.

 

18.1.

Motivation für den Kontojob gerade am unteren Limit. Bin kurz davor, in die Tischkante zu beißen. Ich will schreiben, verdammt. Ich brauche mehr Zeit. Was soll dieser Blödsinn am Fremdrechner, in der Agentur? Versuche, mich mit Infomüll aus dem Netz von dem aufwallenden Verzweiflungsanfall abzulenken. Lese prompt, van Gogh war in meinem Alter schon drei Jahre tot. Ich male nicht, aber das macht es nun wirklich nicht besser. Der Gedanke: David Foster Wallace hatte das Wichtigste mit 40 auch schon längst geschrieben.

(Ich plotte weiter um.)

 

18.1.

Habe M. das Ergebnis meiner Umplottereien geschickt. M. schreibt: „Ich habe dagegen jetzt keine Einwände, aber ich habe auch eine neue Brille und meine Welt sieht momentan sehr seltsam aus. Wie auf LSD.“

 

20.1.

Das Beste am Kontojob: Die je zehn Kilometer auf dem Rad morgens und abends. Insgesamt über eine Stunde zum Abschalten. Wobei ich seit etwa einem Jahr ja die Zeit für Hörbücher nutze. Lesen ist beim derzeitigen Standardtagesablauf einfach kaum möglich. Und wenn die atlantischen Tiefausläufer nicht wären: Das Rad ist sowieso das beste Fortbewegungsmittel.

Und manchmal kommt beim Abdriften am Lenker dann auch die Lösung, die man vor dem Bildschirm verzweifelt gesucht hat. Heute: Kapiere endlich, wo AV VII anfangen muss. Mit Merle auf der Leiter. Eine Szene, die ich vor drei Wochen noch aus AV V gestrichen habe. Unter großen Schmerzen.

 

20.1.

Stehe (was die profane Wahrheit ist, M.!) nach Feierabend im Supermarkt, als meine Mutter anruft: Unsere alte Wohnung brennt. Ein sehr unwirklicher Moment. Sehe meine Eltern, die inzwischen in dem Eckblock einen Eingang weiter wohnen, vor meinem geistigen Auge den Feuerwehrleuten beim Löschen zuschauen. Sehe im Innenhof der Blocks das Blaulicht gegen die Fassaden klatschen. Offensichtlich ist aber alles unter Kontrolle. Die Wohnung soll wohl verlassen gewesen sein.

 

22.1.

T. schickt eine Mail. Mein ehemaliger Handballtrainer und zukünftiger erster Bürgermeister dieser Stadt (wenn es gut läuft für diese Stadt) fragt, ob ich mich als einziger Jenfelder Intellektueller nicht an der Diskussion um die Unterbringung der entlassenen Schwerverbrecher beteiligen will. Gute PR, behauptet er: „Du, der Günter Grass der Vorstadt?“ Eine souveräne Antwort wäre: Jenfeld ist nicht Vorstadt, sondern Stadtrand. Punkt. Oder: PR machen wir Pfeifen hier anders.

Aber in meiner Rolle als Intellektueller verfalle ich natürlich sofort ins Schwafeln. Setze T. auseinander, dass es nichts bringt, den Aufgebrachten ihre Kurzsichtigkeit unter die Nase zu reiben. Schwerverbrecher vor der Tür sind für die Betroffenen eben kein formaljuristisches Problem, sondern ein alltagspraktisches. Davon abgesehen: Die Aufregung hat doch auch was. Wenn Recht als Unrecht empfunden wird, ist es immer spannend. Woher kommt das in diesem Fall? Das sei die Frage, behaupte ich.

Und diese Behauptung versuppt in meiner Antwort an T. dann in spekulativen Niederungen: „Am Ende würde man womöglich“, schreibe ich tatsächlich, „bei der Antwort landen, dass wir aus eigener Erfahrung wissen: Der Mensch ändert sich nur sehr schwer. Und deshalb haben wir Angst vor anderen. Weil wir uns selbst fürchten. Weil wir eben alle gerne bessere Menschen wären, als wir sind.“

(Ich denke, dass der zukünftige Bürgermeister dieser Stadt die ihm vorliegende Zahl der Jenfelder Intellektuellen rasch noch einmal nach unten korrigiert hat.)

 

24.1.

Die Sache mit dem Wohnungsbrand. Es stellt sich raus, dass die Feuerwehrleute eine angesengte Papierschwalbe auf dem Rasen im Innenhof fanden, unterhalb des Kinderzimmers. Ich lese im Internet: „Bei den weiteren Ermittlungen stellte sich dann heraus, dass sich ein 9-jähriger Junge allein in der Wohnung aufgehalten haben soll und kurz vor dem Brandausbruch die Wohnung verlassen hatte um zu seiner Oma zu gehen. Ob der Junge eventuell brennende Papierschwalben aus dem Fenster geworfen hatte und ob es einen Zusammenhang mit dem Wohnungsbrand gibt, wird nun unter anderem Gegenstand der Ermittlungen durch die Brandermittler sein.“ Das ist nun noch unwirklicher als der Moment im Supermarkt. Das ist der Anfang von „Schön, dass du warst“, nachzulesen in Ich wäre tendenziell für ein Happy End.

(Womöglich habe ich den Beruf verfehlt.)

 

26.1.

Aus den Proben für das epochemachende Interview: „Es geht natürlich nicht um Jenfeld. Jenfeld ist ein Hintergrund. Es geht um Grundsätzliches. Um die Frage, wie wir uns im Leben verhalten und entscheiden sollen. Das Tolle an einem Ort wie Jenfeld ist, dass hier nicht der Eindruck entstehen kann: Alles ist schon gut so, wie es ist. Es entspricht nicht gerade der klassischen Vorstellung von einem Paradies auf Erden, Schrägstrich, Garten Eden.“

(Ein anderer Blick auf die Jugend? Alles Quatsch!)

 

28.1.

Aus den Proben für das epochemachende Interview: „Was ich aber glaube: Es gibt ein paar Erst-Entdeckungen, die man als Jugendlicher auf jeden Fall macht. Wenn aus Schwärmereien mehr wird. Wenn es darum geht, sich geistige Gemeinschaft zu suchen. Wenn man beginnt, in den Trichter der Zeit zu schauen, in dem man tiefer und tiefer rutscht und der (durch die eigenen Entscheidungen) nach unten hin enger und enger wird. Was nicht nur gruselig ist.“

(Liebe-Glaube-Hoffnung-Trilogie.)

 

29.1.

Lesung mit C. in Wandsbek.

C. ist ja ein wenig das für mich, was ich vermutlich mal für M. war. Ein Freund mit demselben Handicap, also denselben hochtrabenden Künstlerflausen, jemand, mit dem man sich ein wenig die Bälle zuwerfen kann. Keine Ahnung, ob ich seinerzeit so helle war wie C. – denke eher nein. C. war Student in meinem allerersten Kurs an der Uni. Er hat die Entstehung von Indianerland von Anfang bis Ende begleitet. Wir haben damals zusammen im Kontojob Tisch an Tisch gesessen.

Wenn nichts los war, habe ich C. mit meinem Romankram zugemüllt. Gerade am Ende, als ich bei den nötigen Streichungen den Wald vor lauter Pilzen nicht mehr gesehen habe, hat er sich geduldig Version um Version angeschaut. Daumen hoch, Daumen runter. Meine Lektorin bekam am Ende ein Dokument in fantastischem Zustand. C. sei Dank.

 

31.1.

Bin eingeladen, im Sommer beim White Ravens Festival zu lesen, einem Jugendliteraturfestival. Denke: Einmal Ghetto, immer Ghetto. Früher Hochhaussiedlung, heute Jugendliteratur. Aber das Festival wird bestimmt eine Wucht. Und ich freue mich. Ja, ich kann das: mich freuen.

 

31.1.

Nach längerem Grübeln: Ich fürchte, ich bin Jugendbuchautor. Aber.

 

31.1.

Zum Rauskopieren für Doktoranden: Ein Autor ist jemand, der einen Text verfasst hat. Theaterstück. Leserbrief. Sonett. Haiku. Fieberzäpfchenbeipackzettel. Klotürspruch. Ein Schriftsteller hingegen ist jemand, der ein literarisches Werk schafft. Ein literarisches Werk erkennt man nicht an seiner Gestalt. Ein Buch ist kein literarischen Werk, sondern ein Verlagsprodukt. Ein literarisches Werk erkennt man daran, dass es auf dem Gebiet des Erzählerischen, Dramatischen oder Lyrischen etwas Herausragendes darstellt.

(Mehr dazu im Zweifel bei Ezra Pound. )

 

31.1.

Ob ich Romanautor oder gar Jugendbuchautor bin, ist mir so schnurz wie dem Flamingo ein Zeitungsabo. Manches andere allerdings nicht.

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Fortsetzung folgt …

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