Juli 2014

by Nils Mohl on Juli 1, 2014

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1.7.

Fertig. Warte noch das letzte Feedback von Bolle Bims ab. Und dann flattert es rein: „Ich hab Mogel geradezu verschlungen,  kam mir vor wie 30 Seiten und ich trage die Figuren mit mir rum wie liebgewordene Freunde! Das Kurzweiligste und Lustigste, was ich seit langem gelesen habe. Ich glaube, das wird ein Kracher!“

Ich drücke auf das Symbol mit dem Papierflieger. Senden: Mogel geht an meine Lektorin. Netto gerade mal 55 Schreibtage. Freitag Lektorat.

(Persönliche Bestleistung.)

 

2.7.

Mail von K. – Windpocken: „Ich liege mit Pusteln überzogen im Bett. Bin hochansteckend. Die Krankheit ist meldepflichtig. Ich habe gestern und heute schon geheult, was die Augen hergeben. Ich kann es nicht fassen. Klagenfurt go to hell.“

Überlege, ob man ihr schreiben kann, dass das im Grunde der Jackpot ist. Kann man vermutlich nicht. Aber kann ich es mir verkneifen? Ich schreibe: „Das hat es bestimmt noch nicht gegeben. Schöner Aufhänger für alle Hymnen, die dann zu den Raketen kommen. Trotzdem. Und erst Recht. Wart’s ab!“ Selten war ich mir meiner Sache als Prophet so sicher.

(Zukünftiger Bestseller.)

 

2.7.

Dann schickt auch noch Benjamin eine Mail. Erst vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass er dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen ist. Unfall beim Volleyball. Er schreibt: „Soll ich dir ein Foto schicken? Ich habs natürlich dokumentiert.“ Foto kommt. Die „kapitale Narbe“ sieht furchteinflößend aus.

– Geile Frisur. Ich hoffe, das ist von hinten aufgenommen.

– Das nennt sich Undercut. Und kostet bei Rihanna 250 Dollar. Für mich nur ein Stückchen Hirn.

– Das bedeutet, die haben dir also wirklich am Ich herumgedoktert. Heiliger Strohsack!

– Ich glaube, das Ich ist oben. Hinten steckt nur die Mechanik.

 

3.7.

Das Filmprojekt hat wieder einen Regisseur. M. hat ihn schon in New York kennengelernt.

 

4.7.

Treffen: 10 Uhr, Reinbek. Um 12 Uhr fahre ich in Jenfeld wieder auf die Auffahrt. Dazwischen aßen meine Lektorin und ich Erdbeeren im Garten des Verlags. Ich erfuhr, dass ihr der Begriff Kopeiken nicht gefällt. Und die Becherpong-Szene ein wenig lang ist. Zum Schluss sagte sie: „Sehr, sehr schön.“

(Erscheinungstermin: 1. Oktober.)

 

5.7.

Das zweite Mal, dass ich Ilker treffe. Der Mann ist ein Ereignis: Gewinnt Herzen, bevor er noch einen Raum betritt. Ich lege mich fest: In zehn Jahren mindestens hierzulande eine Riesennummer als Regisseur. Wenn nicht längst auf der anderen Seite des großen Teichs.

Café Creisch im Philosophenturm: Wir gehen das Indianerland-Drehbuch Satz für Satz durch. Am Ende haben wir bis zum Nachmittag eine gute Hälfte geschafft. Verabreden uns für den nächsten Tag wieder.

Später zu A.: „Ich bin verliebt. Ich kann nicht fassen, dass er Indianerland machen will.“ A. freut sich mit. Überlegt, was sie dann für den Auftritt auf dem roten Teppich brauchen wird.

(Wie im Kino.)

 

6.7.

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9.7.

Der Tag nach dem WM-Halbfinale. E-Mail-Konversation mit Kollege Sch., der gestern noch zögerlich ein 4:0 vorausgesagt hat. Wofür ich ihn umgehend rüge:

– Du hast dich böse vertippt. Und Löw hat schon wieder für ein Halbfinale die falsche Strategie gewählt.  Ein 7:1, so toll, dass man sich fast gar nicht mehr freuen kann. Spätestens nach einer halben Stunde das sehr deutsche Gefühl: Ist das wirklich verdient? Aber andererseits: die Brasilianer! Diese ständige Heulerei!

–  Ich habe auch die Schuldgefühle. Allerdings weiss ich auch, woran das liegt. Das sind die verdammten Nachrichten in der Halbzeitpause. Gestern vollkommen grotesk. Ich habe überlegt, ob das nicht auch eine Kunstinszenierung ist. Beim American Football gibt es eine Halbzeitshow. Da treten große Stars auf. In Deutschland sieht man brennende Häuser in Israel. Da läuft das Halbfinale der Deutschen Nationalmannschaft und dazwischen dieser Downer. Mit Aussagen wie „Das ist Nahost-Panik pur!“ Um gleich wieder überzuleiten zu den  brasilianischen Fans: „Das ist Schockstarre pur!“ Wie soll man da die gute Laune behalten?

– Du bist ein Linker. Kein Wunder, dass dich das mitnimmt. Mir fällt zu den Nachrichten noch ein: Ich stieß neulich mal auf das längst schon wieder eingestaubte Wort EHEC. Diese Themen sind völlig beliebig. Das macht es so grotesk.

– Die Welt ist schlecht.

– Außer Özil! Einer der wenigen, die einen menschliches Antlitz bei den Deutschen zeigten. Wie er seine 100%-ige versiebte. Ich war sehr gerührt.

– Das hast du ja schon in der Vorrunde gesagt. Die Mannschaft kann einen Özil durch das Turnier tragen. Ich bin mittlerweile sicher, dass da irgendwas mit adidas läuft. Özil ist der größte, Internationale Star der Deutschen. Der deutsche Neymar. Der ist für die Vermarktung unheimlich wichtig.

– Neymr hat allerdings einen Vertrag mit Nike. Womit man bei der großen Frage wäre: Hat Adidas wirklich das Geld, Nike ein Halbfinale abzukaufen?

(Einschwörung aufs Endspiel.)

 

13.7.

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15.7.

Flug mit A. nach Riga. Busfahrt nach Klaipeda. Fähre auf die Kurische Nehrung. Taxi nach Nida. A. fürchtet auf den letzten Kilometer um ihr Leben, während bei Tempo 120 die Kiefern und die Nacht an uns vorbeiwischen: „Sagtest du nicht, es gibt hier Rehe?“ Ich: „Und Wildschweine. Und Elche.“

(Einladung zum Thomas-Mann-Festival.)

 

16.7.

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16.7.

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17.7.

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17.7.

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19.7.

140719 Riga

 

21.7.

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Fortsetzung folgt …

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