Mai 2015

by Nils Mohl on Mai 1, 2015

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1.5.

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2.5.

Neue Alben von Sophie Hunger, Bill Fay, San Fermin und (seit gestern auch) von Tocotronic. Was für Wochen.  Und es stehen diverse Autofahren an, diverse Lesungen,  Workshops. Nicht ideal für den neuen Roman. Aber Trost: Der Soundtrack zum Umhergondeln immerhin stimmt.

(In Dauerschleife der Track: „Die Erwachsenen“.)

 

5.5.

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5.5.

Es gibt 33.810 allgemeinbildende Schulen in Deutschland. Zieht man die 15.749 Grundschulen und die 1.329 Vorschulen ab, bleiben immer noch 16.723 Schulen, die für Lesungen aus meinen Bücher und Workshops in Frage kommen. Ein paar Jahre könnte ich also noch durch die Lande ziehen. Bei 60 Schullesungen pro Jahr wäre es möglich, gut 279 Jahre unterwegs zu sein, ohne eine Schule doppelt zu sehen. In dieser und der letzten Woche sind es zusammen immerhin vier.

(Werft nicht mit Tafelkreide nach Autoren.)

 

6.5.

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6.5.

Publikumsfrage in Großhansdorf: „Warum schreiben Sie überhaupt über die Liebe, wenn Sie über die Jugend schreiben? Und nicht was mit Horror – oder so?“

(Selten wird einem der Ball derart schön auf den Punkt gelegt.)

 

7.5.

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7.5.

Seit es wieder Frühschichten gibt, seit das Tippen am Roman vorangeht, nimmt der Bedarf an Zerstreuung deutlich ab. Die Taktung mit der Mails beantwortet werden, wird größer.

(Die asoziale Phase hat begonnen.)

 

8.5.

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8.5.

Neues vom künftigen Bürgermeister der Stadt (wenn es gut für die Stadt läuft). Die Sensationspresse vermeldete gestern: „Ein Mann, eine Mission – Bezirkschef plant Müll-Bunker statt rosa Säcke – Weg mit Gestank, Dreck und angelockten Ratten.“ Auf dem Bild dazu sieht man den künftigen Bürgermeister und Ex-Panzerfahrer neben einem Modell der neuen Abfallbehälter. Kurzer Austausch per Mail:

– Saubere Sache! Panzerfahrer wissen, wie es geht: Endlich werden wieder Bunker gebaut!

– Bunker waren schon immer meine große Leidenschaft. Der technische Name lautet übrigens „Unterflurabfallbehältersysteme“, da fand ich Bunker schlicht einfacher.

(Zivilisten.)

 

9.5.

Flug AB2586: HAM/HAMBURG – AGP/MALAGA. Mit dem Mietwagen weiter nach Urbanización Artola Alta, Marbella. Meerblick von der Terrasse. Wie man sich das Schriftstellerleben früher immer so vorgestellt hat.

(28°.)

 

9.5.

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10.5.

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11.5.

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11.5.

M. und seine Schwäche für Motorboote: Schicke ihm ein Bild aus Puerto Banús. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten:

– Du bist in Marbella? In Marbella? ‚Vor allem reiche Araber haben hier Liegeplätze.‘ Ich meine: Glückwunsch. Ich bin in Kerhonkson.

– Zugegeben, ein wenig surreal. Letzte Woche noch Rendsburg, Großhansdorf und Bargteheide. Jetzt Marbella. So als Jugendbuchautor kommst du rum.

– Ich glaube, das ist jetzt mehr so ein neuer Abschnitt der Karriere.

– Du meinst, ich sollte über eine Yacht nachdenken?

– Und so eine Mütze. Und so ein Sakko.

– Das wäre ein schönes Karriereende. Womöglich.

– Was machst du in Marbella?

– Sie nennen es Arbeit. Am Colegio Alemán Juan Hoffmann. Eine Schule, die dir gefallen würde. Man trägt Schuluniform.

– Prima Schule. Zieh nach Marbella. Schule deine Kinder dort ein. (Ereigniskarte)

(Costa del Sol.)

 

12.5.

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13.5.

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14.5.

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15.5.

Erste Schülerfrage nach der Lesung: „Sie sind doch aus Hamburg. Mögen Sie den HSV?“ Später das erste Mal im Leben einen Fußball signiert. Ein literaturverrücktes Land! Gracias!

(Schulgästebucheintrag.)

 

15.5.

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16.5.

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17.5.

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17.5.

Am Abend zurück in der Heimat. Was verpasst? Schaue die Benachrichtigungen und E-Mails durch. Mein Jenfeld-Alert bietet eine „blutige Messerattacke“. Eine Feiertagstat. In der Gegend, wo Körts, einer der Helden aus „Astronauten“ zuhause wäre, wenn Romanfiguren im realen Jenfeld wohnen könnten.

Die lokale Presse berichtet von einer Frau, die auf ihren Lebensgefährten losgegangen ist und ins Auge gestochen hat. Mit einem Küchenmesser. Fazit: „Der Mann wurde von Rettungsdienst-Sanitätern in ein Krankenhaus gebracht. Der Messerstecherin wird vorgeworfen, dass sie versucht habe, ihren Lebensgefährten umzubringen. Ob ein Beziehungsstreit am Vatertag die Ursache für die Messerattacke war, ist bisher nicht bekannt. Auch die Frage, ob bei der Tat Alkohol eine Rolle gespielt hat, bleibt bislang noch unbeantwortet.“

(Immerhin: Hier wohnen Menschen, die Leidenschaft kennen.)

 

18.5.

150518 Bargteheide_NM

 

18.5.

Post. Oder: Wie man hartgesottene Autoren aus dem Tritt bringt. Die 8b von der GEMS Wiesenfeld, Glinde, weiß, wie’s geht. Zum Beispiel 15 Briefe nach Lesung und Workshop gleichzeitig schicken. Besonders großartig u. a. die Passage: „Schön war, wie Sie alle Fragen beantwortet haben, manchmal zu ausführlich.“

 

20.5.

Anfang der Woche schrieb Ilker, dass er im Juni in Kalifornien weilt: Palm Springs Short Filmfest. Woraufhin sich M. heute per Mail zu Wort meldet.

M: Es kann sein, dass ich ab Juni in San Francisco bin. Ist aber noch nicht ganz raus.

I: Geil! Dann lass uns treffen. Hab ein Mietauto unterm Hintern.

M: Paar Sachen müssen noch geklärt werden. Stand derzeit habe ich in 12 Tagen keine Wohnung mehr und noch keinerleiVorbereitungen für irgendwas getroffen.

N: San Francisco? Vergiss nicht, eine Blume im Haar zu tragen!

M: Ich hab nicht mehr genug Haar für Blumen.

N: Tackern? Gute Ergebnisse erzielt man auch mit Heißkleber.

I: Ihr seid einfach gut!

N: Wir sind alte Säcke. Unser Repertoire besteht aus drei Witzen.

M: So was wie „Für dein Alter ist dein Haar ganz in Ordnung“, hätte ich auch genommen.

… und so weiter. Bilder vom M. mit buschiger Pelzmütze machen schließlich noch die Runde.

(Höhepunkte im Nachmittagstief.)

 

21.5.

Warten auf das Ergebnis einer Filmförderanstalt, bei der das aktuelle Drehbuch von Indianerland liegt. M. fragt bei mir nach:

– Ich hätte jetzt fiel frohen Scherz. Aber: Was bedeutet das für uns?

– Es geht um ein paar Ditscher mehr oder weniger. Und um Symbolwirkung, wie immer.

– Ältere Damen mit Vertretern der Kirche beim Kaffeetrinken. Keiner hat die Drehbücher gelesen. Fotos von Enkeln. Nur Damen und evangelisch vermutlich: „Wir haben einfach niemanden mehr wie den netten Herrn Böll.“

– Gebäck. Vielleicht auch eine Verrücktheit wie Frischestäbchen.

– Gebäck, sehr schön. So Rentnergebäck. Kleine trockene Kringel mit Zucker drauf. Was sind Frischestäbchen?

– Schokoladenstäbchen mit Füllung. Zitrone-Orange. Tatsächlich heißen die Erfrischungsstäbchen.

– Großartig. Kenne ich noch aus den Siebzigern. Mein Vater und ich haben die sehr geschätzt. Dieser Zucker innen drin.

– Mich hat’s davor gegraust.

– Fruchtig-flüssige Orange-Zitronen-Füllung im knusprig-knackigen Schokoladenmantel!

 

22.5.

Nachricht vom Produzenten: „Leider nein. Keine Angabe von Gründen.“ Es bleibt also eine Achterbahn. Mit diesem Film.

 

23.5.

Weiter am Roman. Schicke M. erste Textauszuüge aus den Astronauten. Später antwortet er: „Sorry, habe die beiden Dinger noch nicht gelesen. Beschäftigt, Freundin zu schwängern. Viel Arbeit.“

 

24.5.

M. hat nun doch gelesen: „Exzellent. Persönlich hätte ich gern, dass du bald mit Zivilisten anfängst. “

Zivilisten ist ein Romanprojekt Kasimir Badours. Sein Magnum Opus. Kasimir Badour wiederum ist eine Figur aus einer Kurzgeschichte eines gewissen Nils Mohl.

Deute das als gutes Zeichen: „Es war einmal Indianerland“ und „Mogel“ haben M. auch nicht gerade vom Hocker gerissen.

(Codes.)

 

26.5.

Arbeit am Roman. Besuch des Kinostars und eines Fernsehteams in den Betonriegeln: Armutstourismus am Stadtrand.

(Astronauten.)

 

28.5.

Mail von meiner Lektorin zu den ersten Seiten „Astronauten“: „Oh, schade, schon vorbei… Das liest sich super, lieber Nils, man merkt richtig, dass du Spaß hast beim Schreiben. Freu mich schon auf mehr. Schreib schneller! :-)“

 

31.5.

Regen, 16°.

(Fast Juni.)

 

Fortsetzung folgt …

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