Fragebogen III

by Nils Mohl on März 16, 2013

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Literarischer Fragebogen

Hausacher LeseLenz-Stipendien 2013 und Gisela-Scherer-Stipendium 2014

(Bewerbung)

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1. Welche literarische Figur hätten Sie gerne erfunden?

Meursault.

 

2. Von welchem Kritiker würden Sie am liebsten verrissen werden?

Michiko Kakutani.

(Wenn’s denn wirklich sein muss.)

 

3. Welches Werk würden Sie als Ihre Schokoladenseite bezeichnen?

Ich würde meinen: Es gibt doch immer nur ein Werk pro Autor.

 

4. Empfinden Sie Zufriedenheit als etwas Verstörendes?

Öh …

 

5. Wann ist Ihnen die Nacht am sympathischsten?

In sympathischer Gesellschaft?

 

6. Wo lesen Sie am liebsten?

Amrum, im Liegestuhl hinter dem Wohnwagen.

 

7. Welche Sprache regt Ihre Phantasie an?

Die, die mir Geschichten erzählt. Die, aus der Literatur geworden ist.

(Okay, mehr so mittelgeistreich.)

 

8. Welchem Buchstaben können Sie nicht verzeihen und warum?

Bin Buchstaben gegenüber nicht nachtragend. Man braucht sie ja doch alle immer wyder.

 

9. Welche Landschaft inspiriert Sie am meisten?

Die innere, selbstverständlich.

 

10. Welche Farbe würden Sie gerne mit Rot mischen und weshalb?

Rot. Satteres Rot. Kein Grund.

(Die Welt des Schriftstellers: in der Hauptsache mehr so Schwarz vor Weiß.)

 

11. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu „Grünem Tee“ definieren?

Als durchaus freundschaftlich. Man mag sich.

 

12. Welches geliehene Buch haben Sie nicht zurückgegeben?

Als treuer Büchereikunde bringe ich alle Bücher stets brav zurück. Es gab allerdings einmal einen Ausstellungskatalog zu Leben und Werk von Rolf Dieter Brinkmann, den habe ich mir als Student in der Germanistenbibliothek der FU Berlin ausgeliehen und, „Jugendfanatismus“, eine Seite daraus gemopst. Ein Porträt von RDB hatte es mir angetan.

(Steht auch noch immer im Schreibtischzimmer.)

 

Schreibtischzimmer Galerie Nils Mohl

 

13. Wo haben Sie das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein?

In großer Höhe.

 

14. Wie würden Sie Ihre Katze nennen?

Die einzige echte Katze, die je von mir benamst wurde, hat den Namen Moses bekommen. War den Umständen unseres Kennenlernens geschuldet.

 

15. Wann begegnen Sie der Zeit am intensivsten?

Gibt es da noch andere Antworten als Spiegel oder die eigenen Kinder?

 

16. Was haben Sie noch nie verstanden?

• Modellbau.

• Animateure.

• Fernsehgymnastik.

• Rosinen in Brötchen.

• Buchfetischisten, die das Medium für die Botschaft halten.

• Vielleser, die am glücklichsten sind, wenn ihr Hirn beim Schmökern auf Reservestrom zurückfahren darf.

• Die Vorfreude in einem gewissen Alter auf die Rente, als wäre der Ruhestand so eine Art paradiesisches Jenseits in der diesseitigen Hölle.

• Tischdecken.

• Polonaisen.

• Bausparpolicen.

• Wo nisten Straßentauben?

(Ein Dasein voller Rätsel.)

 

17. Ist Zufall etwas Tröstliches oder eine Frage der Aufmerksamkeit?

Zufall ist ein Begriff, der hilft, einen überkomplexen Sachverhalt in eine Form zu gießen. Ein Platzhalterwort. Wie, was weiß ich, Glück. Gott. Schicksal. Liebe. Staat. Seele. Zwischenfinanzierungsplan. Roman. Und so weiter. Alles eine Frage der Definition, wenn man so will – und letztendlich des Erzählens.

(Hat jedenfalls mit Trost wenig zu tun.)

 

18. Welchen Gegenstand müssen Sie anfassen, wenn Sie ihn sehen?

Man hat mir mal erzählt, der unwiderstehlichste Gegenstand, den es überhaupt gibt, sei eine Parkbank, auf der steht: „Frisch gestrichen!“

 

19. Was haben Sie von Ihren Händen gelernt?

Sind fremde Hände nicht viel interessanter – sogar lehrreicher?

 

20. Wem außer sich selbst würden Sie gerne dieses Stipendium geben?

Wer hat sich denn sonst noch so beworben?

 

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Jenfeld, März 2013

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