Porträt (August 2014)

by Nils Mohl on August 1, 2014

__

Teenager zwischen Party und Panik

von Ulrike Peters, buch aktuell-Herbstausgabe 2014
© Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien GmbH & Co. KG

Nils Mohl nimmt seine Leser mit auf einen Trip ins typisch deutsche Stadtrand-Milieu. Seine jungen Hauptfiguren pendeln zwischen purer Lebensfreude und Alltagstristesse und arbeiten sich ganz nebenbei an den grundlegenden Fragen des Erwachsenwerdens ab.

Kinder_Jugend_Nils_Mohl

Es ist vor allem eine zentrale Frage, die den Schriftsteller Nils Mohl bei seiner Arbeit antreibt: „Was macht das Erwachsenwerden aus?“ Es beschäftigt ihn, wie heranwachsende Menschen miteinander umgehen, wie sie sich voneinander abgrenzen, Beziehungen führen, die Welt mitgestalten. Und so kreisen die Protagonisten in seinen Jugendromanen um die typischen Alltagsprobleme der Pubertät: von der Selbst!ndung und Cliquen-Bildung über die Abgrenzung von Autoritäten bis hin zur ersten großen Liebe. Die jungen Leute diskutieren und philosophieren, streiten und vertragen sich und schlittern in die unmöglichsten Situationen. Aber sie geben nicht auf.

Trotz der grauen Kulisse von Mietskasernen und Hochhäusern am Stadtrand
bleibt die Grundstimmung immer optimistisch. Das ist vielleicht das große Erfolgsgeheimnis des Autors: Er kann deftige Kost servieren, ohne dem Leser den Appetit zu verderben. Die Welt, über die er schreibt, kennt der heute 43-Jährige nur allzu gut. Er ist in Hamburg-Jenfeld aufgewachsen, einem Stadtteil der Kontraste, wie er es nennt. Auf der einen Seite erstreckt sich hier eine gutbürgerliche Einfamilienhaus-Siedlung, auf der anderen Seite zeugen Wohnblöcke, Hochhäuser und ein großes Einkaufszentrum vom wachsenden Wohnungsbedarf der 1960er-Jahre. „Es ist schön und skurril zugleich, denn man geht aus den Betonschluchten heraus und steht plötzlich im freien Feld“, so der Autor.

Zwar liefert das Leben in Jenfeld in gewissem Maße die Vorlage für seine Geschichten. Die Erlebnisse und Erfahrungen von jungen Menschen seien aber im Grunde überall ähnlich, betont Mohl. Er hat allerdings beobachtet, dass auf Jugendlichen, die zwischen hohen Mauern, aber in direkter Sichtweite zu Gartenidylle und Natur groß werden, ein besonderer Druck lastet: „Die Sehnsucht, dort herauszukommen, ist unheimlich groß.“ Er selbst hat nach dem Abitur auch erst einmal der Hansestadt den Rücken gekehrt, um Literatur- und Sprachwissenschaften, Volkskunde und Kulturmanagement zu studieren. Nach Stationen in Kiel, Tübingen und Weimar zog es ihn zurück in die Großstadt, zunächst
nach Berlin. Dann überzeugte seine Jugendliebe ihn davon, dass gerade Hamburg- Jenfeld der ideale Lebensmittelpunkt wäre.

So lebt Mohl heute mit seiner Familie wieder am Ort seiner Kindheit. In die Hansestadt zurückzukehren habe sich zunächst sonderbar angefühlt. Aber den Wunsch, ein Leben als Schriftsteller zu führen, hatte er „gefühlt schon immer“. Zunächst folgten auf den Hochschulabschluss jedoch zehn Jahre als Werbetexter sowie ein Dozentenauftrag an der Universität Hamburg. „Ich wollte immer eine abenteuerliche Tätigkeit haben, die sich von den klassischen Berufen unterscheidet“, erinnert er sich. Mit der Verleihung des Jugendliteraturpreises 2012 für „Es war einmal Indianerland“ und der darauf folgenden Popularität ist er dem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. „Ich bin zwar noch kein Vollzeit-Autor“, sagt er, „aber es geht seitdem immer mehr in die Richtung.“

„Es war einmal Indianerland“ war 2011 sein erster Roman für Jugendliche und der Auftakt einer Trilogie, die 2013 mit „Stadtrandritter“ fortgeführt wurde. Beide Coming-of-Age-Geschichten zeichnen sich durch eine starke Atmosphäre und liebenswerte Figuren aus, mit denen sich junge Leser leicht identifizieren können. Die Sprache spiegelt die Gefühlswelt der Charaktere jugendlich-frisch und authentisch wider, ohne jemals den Anspruch zu verlieren. „Mohl erweist sich als ein Meister
des Erzählens für alle Sinne“, lobte die Jury „Indianerland“. Und in der Tat: Man hat schon nach wenigen Sätzen das Gefühl, selbst mitten im Geschehen zu sein.

Die Trilogie über die Clique von Edda, Jackie, Merle, Mauser und Silvester soll nun bald ihren Abschluss finden. Zuvor musste Nils Mohl allerdings andere Projekte verwirklichen: Er hat das Drehbuch zu „Es war einmal Indianerland“ geschrieben, an der interkulturellen Autorenresidenz in Nida/Litauen teilgenommen und den Jugendroman „Mogel“ fertiggestellt, der im Oktober erscheint: Erneut eine temporeiche Geschichte aus der fiktiv-realen Welt am Rande der Großstadt. Vier Freunde treffen sich hier zu einer verrückten Mutprobe, die daraus besteht, dass
einer von ihnen für eine Nacht als Mädchen verkleidet mit den Freunden um die Häuser ziehen muss.

Nach den letzten Arbeiten an „Mogel“ will sich der Autor zunächst eine kurze Auszeit mit Familie, Sport und der bewährten Wohnwagenentspannung auf der Nordseeinsel Amrum gönnen, um dann mit dem großen Finale zu starten. Das Grundgerüst des Romans steht bereits, und neue Ideen für witzige Dialoge und spannende Szenen zu entwickeln, ist ohnehin nicht das Problem von Nils Mohl: „Für das, was ich
gern erzählen würde, reicht ein Leben wohl nicht aus.“

__

<< Interviews & Porträts