Schriftstellerdasein (2014)

by Nils Mohl on Dezember 31, 2014

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Fehlende Bescheidenheit
Nils Mohl über seinen Beruf

Dezember 2014. Für eine Seminararbeit an der PH Heidelberg sammelte Helen Vögler Interviews mit Schriftsellern über deren Schriftstellerdasein.

 

 

Haben Sie manchmal Schreibblockaden? Wenn ja, was tun Sie dagegen?

Schreibblockaden gehören in den Bereich der Märchen und Mythen. Gibt es Bohrblockaden bei Zahnärzten? Ich denke, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, dann stimmt in der Regel etwas an anderer Stelle im Leben nicht. Depression. Psychose. Was weiß ich. Gut möglich natürlich, dass sensible Künstlernaturen dafür empfänglicher sind als andere Menschen. Aber Leuten, die angeblich unter der Angst vorm weißen Blatt leiden, verfassen oft noch ohne Schwierigkeiten Mails, Kurznachrichten und Einkaufszettel. Wetten?

 

 

Was war das witzigste Erlebnis, dass Ihnen in Verbindung mit Ihrem
preisgekrönten Buch „Es war einmal Indianerland“ einfällt?

Warum auch immer: Ich muss jetzt gerade an die Buchmesse in Leipzig gleich nach Erscheinen denken. Indianerland war mein erster Roman bei einem großen Verlag. Ich war mir sicher, mir würde ein PR-Marathon bevorstehen. Tatsächlich hatte ich dann nur einen einzigen Pressetermin. Die Praktikantin einer Lokalzeitung stellte mir ein paar Fragen. Dafür wies man uns zwei umgedrehte Getränkekisten in den Abstellraum des Messestandes an. Das Interview erschien nie.

 

 

Gibt es etwas, was Sie am Schriftsteller-Dasein als störend empfinden?

Die Rasenmäher der Nachbarn?

 

 

Sie arbeiten als Dozent und in der Werbung, kommt da das Schreiben manchmal zu kurz?

Die Werbetexterei habe ich – wenigstens vorübergehend – an den Nagel hängen können. Es ist eine ziemliche Qual, sich der Lohnschreiberei zu widmen, während man sich nichts mehr wünscht, als an den eigenen Geschichten weiterzuarbeiten. Aber das Schreiben kommt eher selten zu kurz – manchmal dafür aber das Leben drumherum, leider.

 

 

Wie sind Sie dazu gekommen, Geschichten zu schreiben?

Fehlende Bescheidenheit, vermutlich. Klingt vielleicht ausgelutscht, aber es erscheint mir als eine der besten Möglichkeiten, sich ein Stück Lebenserweiterung zu verschaffen. Ähnlich wie beim Lesen klinkt man sich beim Schreiben aus dem laufenden Alltag aus und in eine andere Welt ein. Das Geschichtenerzählen eröffnet einem dabei praktisch grenzlose Alternativen. Im Rahmen der eigenen Beschränktheiten, versteht sich. Und das ist alles in allem schon ganz geil.

 

 

Was macht für Sie einen guten Autor aus?

Der Wunsch, ein besserer Autor werden zu wollen.

 

 

Was würden Sie machen, wenn Sie ein bisschen freie Zeit geschenkt bekommen würden? (Das heißt, wenn die Zeit einfach ein Weilchen stehen bleiben würde und Sie bestimmen könnten, wann sie wieder weiter läuft.)

Gedankenexperimente dieser Art stürzen einen in die völlige Verzweiflung. Außer man behauptet stur, man würde nichts anderes tun als sonst auch.

 

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