Stadtrandritter Leserunde (2013)

by Nils Mohl on Oktober 6, 2013

__

Wenn es mal anstrengender wird, kann das nur gut sein

Nils Mohl über Stadtrandritter

Oktober 2013. Für die Mitglieder der Lesecommunity Lovelybooks beantwortete Nils Mohl im Online-Chat Fragen zum Roman. Das Interview ist eine Zusammenfassung und Überarbeitung der wesentlichen Inhalte.

DSC_0079 

 

– Über Ritter

 

Also, wenn ich einen Roman mit dem Titel „Stadtrandritter“ schreiben würde, müssten mindestens fünf Anspielungen auf „Don Quijote“ enthalten sein. Der Umfang passt ja schon einmal.

Don Quijote, schönes Stichwort. Leider gibt es keine Windmühlen, aber immerhin einen Rosinante hat Stadtrandritter zu bieten, in diesem Fall kein Klepper, sondern ein Motorroller. Und ein paar Ritter von manchmal auch trauriger Gestalt tauchen auf – obwohl die Geschichte unter Jungendlichen im Hier und Heute spielt. Und ich weiß noch: Ich hatte dieses Geräusch ganz am Anfang. Pferdehufe auf Asphalt. Früher Morgen. Dazu das Bild von Hochhäusern. Dann kam alles doch anders. Wie das so ist. Immerhin wird im Roman einmal davon erzählt, wie ein Gaul vor einem Heimwerkermarkt angeleint wird.

 

Nicht nur „Don Quijote“, es gibt ja so einige Verweise auf Ritterromane und höfische Epik. Eine Figur heißt Merle von Aue –  in Anlehnung an Hartmann von Aue. Ich frage mich, wie kann man so etwas entschlüsseln, wenn man nie davon gehört hat? Kommt im Text noch ein Verweis darauf? Ist das extra so versteckt?

Die Gegenfrage wäre: Ist es nicht wichtiger, dass alles erst einmal auch ohne großen Schlüsselbund funktionieren kann, also wirkt? Und der Rest sind dann Zugaben, die einen Roman vielleicht reicher machen. Als Autor hat man das ohnehin nicht wirklich unter Kontrolle, oder? Im besten Fall gibt es ganz viele unterschiedliche Leser – und was für die wie ein versteckter Verweis wirkt, liegt für andere ganz offen auf der Hand. Manchmal wird man auch beim Schreiben – und danach noch – selbst überrascht, was es alles so zu entdecken gibt. Und freut sich.

 

Ein Ritter muss auf die Reise gehen, muss verfehlen, muss zeigen, dass er verstanden hat, um am Ende als ein anderer wiederzukommen – so wollten es die mittelalterlichen Autoren. Und wie ist das heute?

Ritter sind auch nur Menschen, ja. Das mit den Verfehlungen gefällt mir. Einer der Helden, Silvester, hat mit den eigenen sehr zu kämpfen. Und die anderen eigentlich auch alle. Dazu gibt es Intrigen und Ränke in rauer Menge. Für mich passte das sehr gut zu dem, was ich erzählen wollte. Die Ritter der mittelalterlichen Literatur hatten schließlich hohen Ansprüchen zu genügen, nicht zuletzt moralischen. Und darin sehe ich eine Parallele. Denn beim Erwachsenwerden, und darum geht es in diesem Roman thematisch, spielen die oft sehr hohen Ansprüche an das eigene Leben eine wichtige Rolle. Man gibt sich da in jungen Jahren meist wenig bescheiden. Und das ist gut so. Man stellt sich all die großen Fragen. Wer möchte ich sein? Wer möchte ich werden? Wer sind meine Vorbilder? Wie finde ich Gleichgesinnte? Es kann nicht verkehrt sein, diese großen Fragen zu stellen. Das ist das, was die Ritterromane erzählen. Finde ich nicht verkehrt.

 

– Über das Erwachsenwerden

 

Ein Jugendbuch? Vielleicht bin ich dafür dann doch schon zu alt.

Ein Buch über das Erwachsenwerden. Das mit dem Alter ist immer lustig. Zu jung, das schlucke ich im Zweifel noch. Aber ein „zu alt“ – wie sollte das gehen? Das Erwachsenwerden dauert an und an. Und was ich interessant finde: Es hat heute ein verflucht schlechtes Image. Nicht nur unter Jugendlichen. Ein Hinweis darauf, dass die vermeintlich Erwachsenen kein gutes Bild abgeben. Wie kommt das eigentlich? Ich glaube, es kann sehr anregend sein, sich auch im fortgeschrittenen Alter mit dieser Frage zu beschäftigen. Für mich war das jedenfalls durchaus ein Antrieb bei diesem Romanprojekt, mit dem ich schließlich drei Jahre zu Gange war.

 

Was mich interessieren würde – warum sind die Protagonisten ausgerechnet 18 und 17? Hat das einen bestimmten Grund?

Spannende Frage. Was genau ist gemeint? Ob sie auch 15 und 16 sein könnten? Oder älter? Oder generell: Warum überhaupt ein Roman über Heranwachsende?

 

Eigentlich meinte ich ein bisschen beides. Zuerst mal generell, warum überhaupt Heranwachsende?

Ich sagte es ja, das Erwachsenwerden hat kein besonders tolles Image. Und das verblüfft nicht groß. Aus der Perspektive von jungen Leuten sieht das Leben der Älteren aus wie eine einzige Geisterbahnfahrt. Das war schon vor einem Vierteljahrhundert so, als ich Teenager war. Und vielleicht war das noch nie anders.

Tatsächlich war ich mit Ende dreißig aber ziemlich erstaunt, dass die ganze Veranstaltung noch viel schlimmer ist, als man ohnehin befürchtet hat. Und ich glaube, das unterscheidet meine Generation schon von der meiner Eltern zum Beispiel: Erwachsene heute verhalten sich kindischer als damals und haben, so mein Eindruck, doch deutlich mehr Probleme mit ihren Rollen als Vorbilder und mit ihrer Verantwortung als je zuvor.

Um es aber abzukürzen: Das Thema an sich ist so spannend und elementar und so facettenreich und ewig aktuell, dass ich nur froh bin, es zu einer sehr günstigen Zeit in meinem Leben für mich als Schriftsteller entdeckt zu haben. Man hat in der Mitte des Lebens genug Abstand. Es gibt aber auch noch genug lebendige Erinnerungen.

Und es gibt nicht zuletzt eine große Sehnsucht nach dieser Zeit, die natürlich eine wahnsinnig aufregende im Leben ist, weil sie voller Premieren steckt. Und voller Wirrnis Intensität Unbedingtheit. Dinge, die wiederum auch für Geschichten einfach günstig sind, weil sie sich gut erzählen lassen. Interessanterweise haben allerdings Romane über das Heranwachsen auch kein gutes Image, doch das steht auf einem wieder ganz anderen Blatt.

 

Und dann die Frage, hätten die beiden auch 15 und 16 sein können?

Wichtig für die Stadtrandritter war für mich jedenfalls, dass die Hauptfiguren ein Alter haben, in dem es bereits möglich ist, Verantwortung für sich einzufordern. Einerseits. Aber andererseits sollten sie auch in der Lage sein, zugleich Verantwortung für andere zu übernehmen. Zumindest im Ansatz. (Diese Dinge sind natürlich oft sehr individuell. Manche können das alles auch mit Ende 20 noch nicht, andere sind schon viel früher dazu gezwungen.) Jedenfalls war von Anfang an das Umfeld gesetzt: eine Kirchengemeinde. Und ich wollte Jugendliche haben, die für andere Jugendliche, in diesem Fall eben Konfirmanden, schon die Älteren sind. Deshalb können Merle und Silvester auch nur so alt sein wie sie eben sind. Puh, lange Antwort. Und trotzdem nur eine Annäherung, scheint mir.

 

– Über Gott usw.

 

Das Thema Glaube in einem Roman über das Erwachsenwerden finde ich sehr reizvoll, weil es eben ein so grundlegendes ist. Vielen Menschen ist das vielleicht gar nicht bewusst, könnte ich mir vorstellen, denn Glaube ist ja eben nicht gleich Kirche, sondern kann für jeden etwas komplett anderes bedeuten. Wie kam es dazu?

Mich hat die Frage nach Glauben in den letzten Jahren tatsächlich selbst ziemlich umgetrieben. Einer der Ausgangspunkte war die inzwischen sehr populäre Rede von David Foster Wallace „This Is Water“. Dort formuliert er den Gedanken, dass ein Leben ohne die Bindung an eine Gottheit gar nicht denkbar ist. Er sagt: „… in the day-to-day trenches of adult life, there is actually no such thing as atheism. There is no such thing as not worshipping. Everybody worships.“ Dann erklärt er, dass die einzige Frage eigentlich sei, wem man huldigen will.

Die Optionen sind groß: Schönheit, Geld, eine höhere Macht. Und so weiter. Mag sein, dass dies nur Poesiealbum-Philosophie ist. Ich habe keine Ahnung. Aber wenn man sich mitten im Erwachsenenalter befindet, sind das Gedanken, die einem schnell mal den Boden unter den Füßen wegziehen können. Zumindest für eine Zeit.

 

Und wie ist Ihre persönliche Einstellung dazu – findet man die im Roman?

Ein Roman kann moralische Probleme und religiöse Fragen nicht lösen – mit einem Roman sollte man das besser auch nicht versuchen. Oder anders gesagt: Ein Roman, der für die Gretchenfrage eine Lösung oder Antwort anbietet, hat selbst ein Problem. Weil er dann tendenziös wird und so weiter. Bekenntnisquark.

Um David Foster Wallace noch einmal ins Spiel zu bringen: Auch der ist in seinen literarischen Arbeiten damit sehr vorsichtig. In „Unendlicher Spaß“ hat er, wenn ich das richtig sehe, das Programm der Anonymen Alkoholiker als eine Art Lösung eingeschmuggelt. Was sehr rührend ist. Und durchaus schneidig. Aber unterm Strich auch nicht mehr als eine denkwürdige Pointe.

Die Stärke von Romanen sind aber nicht diese „Botschaften“. Es sind ja ohnehin immer die gleichen, oder? In unserem Kulturkreis decken sie sich in der Regel mehr oder weniger mit den christlichen Tugenden und Werten. Vielleicht ist darum das wirklich Spannende an Romanen, dass sie uns zeigen, wie der Weg dorthin aussieht. Wirr. Steinig. Schmerzvoll. Auch ein alter Hut natürlich. Aber während man eine Geschichte liest und ihr folgt, macht das vielleicht nichts. In dem Moment „frisst einen immerhin auch nichts bei lebendigem Leib auf“, wie das in der schon erwähnten Rede „This Is Water“ genannt wird. Ist doch auch schon mal was.

 

– Über Inhalt, Form und Stil

 

Ich musste beim Lesen von „Stadtrandritter“ an Thomas Manns „Zauberberg“ denken. Der Schreibstil fordert auf seine Weise ein ähnlich konzentriertes Lesen. Ich finde das, wie soll ich sagen … „sehr anders“.

Thomas Mann. Sehr anders. In meinen Ohren ja Komplimente, die kaum größer ausfallen könnten. Aber ich weiß, ich weiß, es ist auch der Hinweis auf die erhöhte Lesearbeit, die verlangt wird. Was soll ich sagen? Ich denke mir immer, es ist mit dem Lesen wie mit dem Sport und vielen anderen Dingen im Leben. Wenn es mal anstrengender wird, zumindest ein bisschen, kann das nur gut sein. Gerade hinterher. Auf die Art bleibt man in Form.

 

Ich musste mich an diese komischen Namen erst gewöhnen. Sylvester Lanzen, Merle von Aue, Domino, Kondor …

Auf mein Talent für Namen habe ich mir immer unheimlich viel eingebildet, bis mich jemand darauf aufmerksam machte, dass sowohl Domino und Kondor zwei Os im Namen haben. Und ich hätte gleich gestehen können, dass es bei Bozorg nicht anders ist. Namen sind jedenfalls eine Kunst für sich.

Gewöhnliche Namen haben immer den Nachteil, dass Leser mit ihnen ganz reale Personen verbinden. Ein Thomas? Eine Barbara? Ein Sven? Eine Anna? Wer hat die nicht im Bekanntenkreis? Und deshalb hat da auch fast jeder sofort etwas vor Augen, dummerweise nicht unbedingt das Gleiche. Und gegen diese Vorstellungen muss man als Autor dann anarbeiten, damit die eigenen Figuren plastisch werden.

 

Ganz am Ende gibt es einen Soundtrack. Soll das so eine Art Playlist sein, die man sich während des Lesens anhören kann? Wie ist die entstanden?

Die Playlist hat sich im Laufe der Jahre ständig erweitert und verändert. Selbst in den Fahnen ganz am Schluss noch. Es sollte auf jeden Fall so sein, dass ich zu jedem Song etwas erzählen kann, was speziell diesen Song mit den Rittern verbindet. Auf die Art die Playlist abzuarbeiten, das wäre ein abendfüllendes Programm. Also nur ein Beispiel: Der Song von den Waterboys „Church Not Made With Hands“ etwa, auf den bin ich über David Foster Wallace aufmerksam geworden. Von ihm war ja bereits die Rede. Und seiner Behauptung, dass es kein Erwachsenenleben ohne einen Glauben an irgendetwas gibt. Gar nicht im religiösen Sinne, vielmehr in einem ganz lebenspraktischen. Woran überhaupt glauben? Wofür sich einsetzen? Darüber habe ich lange nachgedacht, und für mich war eine der wichtigen Fragen, woran „entzündet“ sich überhaupt das Verlangen nach Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit, nach Vorbildern? Was ist der Kern des Glaubens? Und natürlich steckt da auch ganz viel die Sehnsucht nach dieser „Kirche“ dahinter, die nicht von Menschenhand errichtet werden kann.

 

In die Geschichte sind Making-of-Teile eingebunden. Ich finde es sehr gelungen, wie die Personen hier von sich selbst sprechen – als wären sie tatsächlich nur Schauspieler, die eine ihnen zugewiesene Rolle spielen. Das hat mich seltsam berührt. Wie oft ertappt man sich schließlich dabei, dass man eben doch irgendwie eine Rolle spielt, die man von irgendjemandem aufgezwungen bekommen hat? Eigentlich wäre es so leicht, einfach man selbst zu bleiben – und auf der anderen Seite ist es einer der schwierigsten Sachen der Welt.

Die Making-of-Teile waren ein hartes Stück Arbeit. Einerseits. Und dann andererseits ein großer Spaß. Ähnliches habe ich selbst auch noch nirgends gelesen. Es gibt einen Haufen Gründe, weshalb mir diese Stellen wichtig sind, aber die Beobachtung mit der Selbstbespiegelung, die hat vermutlich jeder schon mal gemacht. Wie irre das ist. Wie verwirrend. Es freut mich riesig, wenn das seltsam berührt. Wer wollen wir sein? Das ist ja eine nicht ganz unwichtige Frage, die sich durch den ganzen Roman zieht, denke ich …

 

Der ungewöhnliche Schreibstil gefällt mir gut, ausgesprochen gut sogar. Das Buch ist wirklich anders. Ich musste mich stark konzentrieren, fand die Geschichte aber immer spannend. Zwischendurch stellte sich bei mir trotzdem immer wieder mal Verwirrung ein. Ist das beabsichtigt?

Dass der Roman zugleich Konzentrationsübung und trotzdem spannend sein kann – welch Kompliment! Und zu der Verwirrung: Es gibt ja Arten von Verwirrung, die man durchaus genießen kann. Einerseits. Andererseits aber auch Arten von Verwirrung, die sehr belastend sind. Ich finde es in Ordnung, wenn es einem beim Lesen auch mal geht wie den Figuren. Auch die durchschauen nicht alles auf Anhieb. So wie man das aus dem Leben kennt. Doch was immer man beim Schreiben beabsichtigt, das Abenteuer spielt dann doch in anderen Köpfen.

 

– Über den Schluss

 

Ich frage mich, was eigentlich zwischen Merle und Silvester steht. Zu wenig Worte?

Man könnte auch fragen: Zu viele Worte? Aber ich will mich da gar nicht groß mit Erklärungen einmischen, nachdem ich den beiden, ihm und ihr, drei Jahre lang nur Knüppel zwischen die Beine geworfen habe. Nur so viel: Ich habe mich beim Schreiben gefragt: Mit wem „konkurriert“ Merle um Silvester in dieser Geschichte? Was genau ist es, was zwischen ihnen steht? Darüber habe ich wieder und wieder nachgedacht. Die beste Antwort ist aber der Roman als Ganzes.

 

Die Geschichte hört an der Stelle auf, wo es dramatisch schief gelaufen ist für die beiden Helden, aber wie so oft im Leben ist doch auch der Brand ein klarer Schnitt und der Neuanfang danach offen. Apropos: Die Ursache für den Brand wird nicht geklärt, oder?

Die Frage nach der Brandursache finde ich schön. Vermutlich ist es wirklich egal, aber alle Figuren haben in dem Roman laufend so Dinge wir Feuerzeuge, Streichhölzer und Kerzen in ihrer Nähe. (Autorensport.)

 

Wieso gibt es kein Happy End? Musste wirklich alles in einer Katastrophe enden?

Es gab mal für das Ende ein Stück Bonusmaterial. Das sollte ein bisschen so funktionierten, wie das bei Filmen manchmal ist, wenn Schrifteinblendungen kommen, in denen erklärt wird, was aus den Figuren wurde. Die Texte habe ich geschrieben und da hieß es zum Beispiel: „Und Silvester? Studium. Umzug in eine andere Stadt. Er und Merle nähern sich über die Distanz wieder einander an, tauschen sich aus, schreiben sich unregelmäßig. Auf ihre Frage, welche Fächer er denn gewählt habe, teil er ihr mit: ‚Theologie. Ich will Pastor werden. Mir gefällt das Altertümliche von Gottesdiensten. Ich kenne außerdem Mädchen, die das beeindruckt.‘ Nur Spaß.“

Also: Vielleicht hört der Roman für ein Happy End einfach zu früh auf? Ich fand es letztlich besser so. Denn mit den Fragen, ob alles in einer Katastrophe enden musste und wie das Leben danach weitergehen kann, damit darf und sollte man Leser allein lassen …

 

Und warum gibt es für Kondor keine Rettung? Ein Bauernopfer? Ein kleiner Täter, der bestraft wird – denn Gott sieht alles?

Eine Warum-Frage. Und dazu die Frage nach Gott. In beiden Fällen habe ich nicht viel auf der Hand, fürchte ich. Kondor über die Klinge springen zu lassen, war jedenfalls keine leichtfertige Tat. Mit der Entscheidung erhöht sich die Zahl der Toten. Am liebsten hätte ich keine gehabt. Aber das war bei der Geschichte eben nicht möglich. Um zu zeigen, was Verlust bedeutet, was der Tod verändert und wie er etwas verändert, dreht es sich mit. Auf allen 688 Seiten.

 

Ich konnte beim Lesen gar nicht mehr aufhören. Wow, habe schon lange nicht mehr so gefesselt in so kurzer Zeit so viele Seiten gelesen – inklusive Schnappatmung, Stirnfalten, weit geöffneten Augen vor Schreck Erstaunen Ekel. Was ein Paukenschlag. Toll, wie Du das alles beschreibst. Diese Hochhausbunker am Stadtrand von Hamburg. Die Probleme der Leute. Ich muss sagen, Silvester und Merle sind mir beide sehr ans Herz gewachsen.

Danke schön. Die wunderbare Amy Hempel meinte mal: „There are people who have been raised by loving parents to believe that the world awaits their every thought and sentence, and I’m not one of them. So I respond to that. Is this essential? The question might be, Is this something only you can say—or, only you can say it this way? Is this going to make anyone’s life better, or make anyone’s day better? And I don’t mean the writer’s day.“ Unterschreibe ich sofort. Und schön, wenn es dann und wann wirklich auf die Art klappt und man davon erfährt. Mehr kann man von einem „writer’s day“ tatsächlich ja kaum erwarten.

__

<< zurück zum Archiv