Wekstattgespräch (2004)

by Nils Mohl on Juni 1, 2004

Sehnsucht nach Arroganz

Nils Mohl über Karriereplanungen

Juni 2004. Im Rahmen des 8. Klagenfurter Literaturkurses fanden im Musil-Haus  öffentliche Lesungen mit den Stipendiaten statt. Nils Mohl las „Nachtfahrt mit Karacho, feat. Pablo Pardauz“ (später erschienen als Ballade von dünnen Männern. Ernst A. Grandits führte ein kurzes Werkstattgespräch mit dem Autor.

 

Wenn sich Fritz Karacho und Pablo Pardauz, die Hauptfiguren des Textes, nach Arroganz sehnen, wonach sehnt sich Nils Mohl?

Wenn mir jetzt eine ähnlich gewitzte Antwort einfallen würde, wie sie zuweilen meinen Figuren einfällt, wäre das schön. Tut es aber leider gerade nicht (Heiterkeit im Publikum). Aber vermutlich sehne ich mich auch nach Arroganz. Das wollten Sie wahrscheinlich auch hören, nehme ich an.

 

Sie haben neben Literaturwissenschaft auch Kulturmanagement studiert. Ist das Kulturmanagement, neben der Möglichkeit, Broterwerb zu sein, auch die Möglichkeit, den Autor Nils Mohl besser zu vermarkten und zu managen?

Schreibende neigen in beruflicher Hinsicht häufig zu Verzweiflungstaten, das gilt auch für mich. Und als ich mit den ganz großen Verzweiflungstaten durch war – ich habe auf dem Bau gearbeitet und lange Zeit als Kaufhauskassierer -, da habe ich mir, als ich dreissig wurde, überlegt, das kann nicht so nicht weiter gehen, das sollte so nicht weiter gehen. Und dann habe ich mir überlegt, wie sich das, was ich bisher alles gemacht habe – literaturwissenschaftliches Studium, Schriftstellerei – am besten unter einen Hut bringen lässt, und Kulturmanagement schien mir in diesem Fall etwas Naheliegendes zu sein.

Und klar, es stimmt schon, dass man sich als Schreibender ein Stück weit selbst vermarkten muss, aber wenn ich als Kulturmanager das will, was ich mit dem Schreiben, jedenfalls mittelfristig, nicht erreichen werde: nämlich Geld verdienen, dann sollte ich wohl tatsächlich nicht mich managen, sondern besser etwas anderes, Vielversprechenderes. Was auch in Ordnung ist, es gibt schließlich ausreichend interessante Projekte in der Kultur, die sich lohnend managen lassen und es wert sind, gefördert zu werden. Und Kultur muss ja sein (Heiterkeit im Publikum).

 

Welche Voraussetzungen wären denn nötig, damit man vom Schreiben leben kann?

Man muss ein anständiges Buch schreiben, was sich verkauft, dann geht das alles von ganz allein, schätze ich. Nein, es ist ja eigentlich jedem klar, und deshalb finde ich das Jammern darüber auch nicht in Ordnung, dass man nur sehr schwer vom Schreiben leben kann. Ich fände es ganz fraglos wunderbar, wenn ich von der Arbeit an meinen Texten leben könnte, aber ich weiß eben auch, dass das schwierig ist, dass man erst mittel- oder langfristig davon wird leben können, wenn überhaupt.

 

Was sind die Themen, die Sie besonders umtreiben?

Tja, letztlich landet man doch immer wieder bei sich selbst. Und das ist auch das Vernünftigste, weil man, so schlecht man sich mit sich selbst auskennt, sich doch mit sich selbst noch immer am besten auskennt. Und ich denke, man sollte versuchen, dort, wo man sich auskennt, so viel wie möglich rauszuholen.

 

Welche Eindrücke haben Sie vom Klagenfurter Literaturkurs?

Es ist insofern schon was Dolles, weil man aus dem Alltag herausgerissen und in einen Kosmos katapultiert wird, in dem man das Gefühl haben kann, dass Literatur etwas unheimlich Wichtiges ist (Heiterkeit im Publikum). Und das tut hin und wieder richtig gut (große Heiterkeit im Publikum).

 

Das ist schön. Herzlichen Dank!

__

<< zurück zum Archiv | vor zum nächsten Interview >>